Einsturzgefährdetes Fachwerkhaus: Denkmalpflege entscheidet über Abriss

+
Über den Abriss wird bis Ende August entschieden: Das Haus in der Unteren Straße 41 in Naumburg ist so marode, dass der Giebel einzustürzen drohte. Foto: Nickoll

Naumburg. Abriss oder Sanierung? Diese Frage muss im Fall des maroden Fachwerkhauses in Naumburg, dessen Dach einzustürzen drohte (wir berichteten), geklärt werden.

Am Freitagvormittag begutachteten der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde in Kassel und der beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) zuständige Sachbearbeiter für den Landkreis Kassel das Haus an der Unteren Straße 41. „Sie müssen sich nun mit der Oberen Denkmalschutzbehörde abstimmen, ob das Haus abgerissen werden darf oder nicht“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher der Kreisverwaltung. Mit einem Ergebnis ist nach Angaben von Stefan Hable, Bürgermeister von Naumburg, der die Sachverständigen am Freitag begleitete, Ende August zu rechnen.

Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus stellt jetzt erstmal keine Gefahr mehr für die Anwohner dar. Der Altenstädter Zimmermeister Reiner Arend, der am Donnerstag zusammen mit zwei Mitarbeitern den gebrochenen Dachbalken mit Hilfe eines weiteren Balkens und eines Spanngurtes gesichert hat, wird auf Anweisung eines vom Eigentümer beauftragten Statikers noch weitere Maßnahmen zur Sicherung des Dachs vornehmen. „Diese sorgen zwei Monate für Sicherheit“, so Kühlborn. Der Gehweg vor dem Haus bleibe weiter gesperrt.

Die Naumburger müssen so weiterhin einen Bogen um das alte Fachwerkgebäude machen. „Es gibt hier mehrere alte Fachwerkhäuser, die zum Verkauf stehen. Ich finde es sehr schade, dass es so wenig Interesse dafür gibt“, sagt die Naumburgerin Andrea Fischer. „Ich kenne das Haus gar nicht anders, dachte mir aber, dass da mal etwas getan werden müsste“, so die zweifache Mutter.

Es gibt auch Menschen in Naumburg, die haben das Haus noch zu seinen besseren Zeiten erlebt. „In meiner Kindheit war es noch in Schuss. Erst war ein Bäcker und später eine Bücherei drinnen“, sagt eine 75-jährige Naumburgerin.

Fördermöglichkeiten hätte es für den Eigentümer des Hauses gegeben: Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms werden in den Jahren 2010 bis 2018 neben öffentlichen auch private Maßnahmen gefördert. „Alle Hauseigentümer, die einen Sanierungsstau hatten, haben wir besonders auf darauf hingewiesen, dass die Förderquote zurzeit sehr günstig ist. In diesem Fall ist es sie nicht genutzt worden“, so Bürgermeister Hable. Bezuschusst würden Sanierungen (Nettokosten) bis maximal 45.000 Euro. Die Förderquote beträgt 35 Prozent.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

Kommentare