Lesenacht in Fritzlar beschloss das regionale Märchenfestival von fünf Gemeinden

Eintauchen in 1001 Nacht

Märchenhafte Stimmung: Heike Vockeroth las im Gewölbekeller des Stiftsaals italienische Märchen. Foto: Mangold

Fritzlar. „Es saß einmal, vor langer Zeit, auf seinem Zarenthron, der erhabene Zar Dadon“, las Swetlana Scheffler und nahm die Besucher der Lesenacht im Stiftsaal in Fritzlar mit auf die Reise ins mythische Zarenland. Passend zum Ort der Handlung saß die Vorleserin neben einem Zelt und trug einen Pelz um ihre Schultern.

Das russische Märchen in Versform von Alexander Puschkin über den Zar Zadon, der sich von einem Sternedeuter einen goldenen Hahn geben lässt, der ihn vor Gefahr warnen soll, war eines von vier spannenden Märchen, die an verschiedenen historischen Orten in Fritzlar vorgelesen wurden.

Die Lesenacht war die Abschlussveranstaltung des Märchen-Festivals „5 auf einen Streich“, das von fünf in der Deutschen Märchenstraße organisierten Städten in der Region anlässlich der internationalen Brüder-Grimm-Jubiläen ausgerichtet worden war. Veranstaltet wurde die Lesenacht von Stadtmarketing, Pro Fritzlar und dem Kulturverein Fritzlar. Das Interesse der Märchenfreunde war groß, die insgesamt 100 Karten waren schon Tage vorher ausverkauft.

Die Besucher wurden in vier Gruppen aufgeteilt und von der Stadtführergilde zu den Veranstaltungsorten begleitet. So hörten sie nicht nur Märchen aus verschiedenen Ländern, sie lernten auch geschichtsträchtige Orte in Fritzlar kennen.

An 1001 Nacht erinnerte die Dekoration mit bunten Tüchern und Teppichen des Gewölbekellers im HNA-Haus, der die Besucher wie eine Kemenate des Sultans empfing. Bahar Kaya las passend dazu ein Märchen aus ihrer türkischen Heimat.

„Die Lesenacht in Fritzlar ist neu zum Leben erwacht.“

Heinz Guderjahn, Kulturverein

Dunkel und gemütlich war es im Gewölbekeller des Stiftsaals, in dem Heike Vockeroth ein italienisches Märchen vortrug. Im Patrizierhaus las Museumsleiter Dr. Johann-Heinrich Schotten „Der Meisterdieb“ vor, ein weniger bekanntes Grimm-Märchen. „Das ist mehr eine Schelmengeschichte als ein Märchen“, sagte er. Es habe ihn an die Bücher von Karl May erinnert.

Passend zum 19. Jahrhundert der Grimms waren neben der Einrichtung des Hauses der Vorleser und seine Assistentin Marlies Heer verkleidet. Da fiel das Eintauchen in die Märchenwelt für die Zuhörer leicht. Im Anschluss an die vier Märchenstationen gab es ein gemeinsames Essen und Schattentheater von Albert Völkl im Hardehäuser Hof.

Die Lesenacht in Fritzlar sei neu zum Leben erwacht, diesmal auch mit internationalen Märchen, erklärte Heinz Guderjahn vom Kulturverein. Dabei sei es den Veranstaltern wichtig gewesen, Fritzlarer Einwohner mit italienischen, russischen und türkischen Wurzeln einzubeziehen.

Interessant für die Zuhörer dürften neben den Unterschieden vor allem die Ähnlichkeiten der Motive in den Märchen aus verschiedenen Ländern gewesen sein. Und in der ganzen Welt beginnen die Märchen mit: „Es war einmal“.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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