Einwohner aus Büchenwerra schauten beim Guss einer Glocke für ihre Kapelle zu

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Guxhagen/Karlsruhe. Es war ein großer Tag für ein kleines Dorf: 19 Einwohner aus Büchenwerra reisten am Freitag nach Karlsruhe und schauten in der Glockengießerei Bachert beim Guss einer Glocke für die Kilianskapelle zu.

Die neue Glocke soll am 15. Juni mit einem Zug durch das Dorf feierlich empfangen und am 20. Juli geweiht werden. Das kündigte in Karlsruhe Bärbel Peter vom Vereinsvorstand Kilianskapelle an.

Für die Gäste aus dem 180-Seelen-Dorf war der Glockenguss ein einmaliges Erlebnis. Sie sahen die Bronze - 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn - im Ofen brodeln und wurden still in der Halle des 1725 gegründeten Unternehmens Bachert. Das stellt mit 25 Mitarbeitern nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 50 Glocken her.

Pfarrerin Sabine Tümmler und die Gruppe beten: „Dreieiniger Gott, heute ist der große Tag gekommen. Wir freuen uns, dass nun die Glocke für die Kilianskapelle gegossen wird.“ Die Pfarrerin spricht von einem besonderen Moment, „und wir sind dankbar, dass wir durch das Engagement vieler Unterstützer gemeinsam dieses Ziel erreichen konnten.“ Möge der Guss gelingen, betet die Gemeinde. „Und möge schließlich das Geläut unserer Glocke zur Freude und zum Segen der Menschen in Büchenwerra erschallen, dass sie uns Einheimische, aber auch die vielen Wanderer und Radler am Fuldaufer zum Gebet, zur Stille und zur Einkehr rufen kann, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in unserem Leben wachsen und reifen können.“

„In Gottes Namen, Metall“, sagt Unternehmensmitarbeiterin Christiane Bachert, dann verschwindet die rot glühende und brodelnde Glockenspeise wie ein Lavastrom in der Glockenform.

Zäher Brei 

Beim Glockenguss muss absolute Ruhe herrschen. Wie ein zäher Brei zischt das Material. Es speit Feuer und Flamme. Glocken werden in einem flammenden Inferno gegossen. Funken stieben. Mit der Lava entweicht Qualm. Die Männer in den Schutzanzügen gießen Musikinstrumente zu Ehren Gottes. Traditionell immer freitags, dem Sterbetag Jesu Christi. „Es ist alles gut gegangen - Gott sei Dank“, sagte Christiane Bachert. Eine Frage aber bleibt noch. Denn erst nach einer Woche steht fest, ob der Guss auch vom Klang her gelungen ist.

Von Manfred Schaake 

Hintergrund

Keine Glocke gleicht der anderen, erfährt man beim Guss. Die Glocke für die Kilianskapelle wird im Schlagton a erklingen, 60 Kilogramm wiegen und einen Durchmesser von 42 Zentimetern haben. Der Glockengießer errechnet je nach Ton und Durchmesser die Rippe. Dieses Profil wird auf ein Brett aufgezeichnet, das ausgeschnitten und zur drehbaren Schablone wird. Die Form wird nach wie vor aus Lehm hergestellt. Vier bis fünf Wochen dauert das, weil alle Formteile langsam trocknen müssen. „Mit der Glocke bekommt unser Dorf eine Seele“, schreibt Bärbel Peter vom Verein Kilianskapelle ins Gästebuch des Glockengießers Albert Bachert, der die Kapelle als traumhaft schön beschreibt. Dem Dorf eine Seele geben - so lautet dann auch die Inschrift. „Der Glockenguss ist ein Höhepunkt in meinem Leben und krönender Abschluss unseres Kapellen-Projektes“, sagt Bärbel Peter. Für Pfarrerin Sabine Tümmler war es der erste Glockenguss: „Ein einmaliges, bewegendes Erlebnis.“

Guss der neuen Glocke der Kilianskapelle in Büchenwerra

Quelle: HNA

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