Eiskalter Tod im Horst: Störche vom Glockenborn saßen tagelang im Wasser

+
Trauriger Anblick: Heinz-Jürgen Schmoll von Hessen-Forst zeigt einen der toten Jungstörche.

Bründersen. Der Storch sitzt am Rand des Horstes im Glockenborn und stupst scheinbar immer wieder etwas mit seinem Schnabel an, was im Nest liegt. So als erwarte er, dass doch noch eins seiner Jungen den Schnabel nach oben streckt und um Futter bettelt. Doch am Nest herrscht Totenstille - seit Tagen.

Stefan Schmidt legt die Leiter an und steigt vorsichtig nach oben. Spaziergänger und Heinz-Jürgen Schmoll vom Forstamt schauen gespannt nach oben.

Noch weiß niemand genau, was den Mitarbeiter der Stadt Wolfhagen für ein Anblick im Storchenhorst erwartet. Manche haben noch einen Funken Hoffnung, dass doch einer der drei kleinen Störche überlebt haben könnte. Schmidt ist oben angekommen und schüttelt nur mit dem Kopf. Einen toten kleinen Storch nach dem anderen holt er aus dem Nest.

Groß sind die drei schon und am Federkleid erkennt man bereits die schwarz-weiße Färbung des Storches. Sie riechen unangenehm, der Verwesungsprozess hat inzwischen eingesetzt.

Die Eltern sind zurückgekehrt und beobachten aus Entfernung das Geschehen. Nach einem weiteren Blick in den Horst weiß Schmidt, warum die Kleinen gestorben sind: „Die Eltern haben soviel zusätzliches Nistmaterial heran geschafft, dass der Horst verdichtet war und kein Wasser mehr abfließen konnte.“ Dies müsse man sich so vorstellen, als ob die Jungen nach den starken Regenfällen der vergangenen Woche tagelang in

Für eine weitere Brutzeit ist es schon zu spät im Jahr.“

einer eiskalten Badewanne gesessen hätten. Das habe keines der Jungtiere überleben können. Traurig schauen alle auf die toten Störche, die ersten, die im Glockenborn geschlüpft sind. Ein einzelnes Ei hat Stefan Schmidt noch im Nest gefunden und es liegengelassen.

Nest reinigen

Er wird in den nächsten Tagen nochmal das Nest reinigen und die vorgestanzten Löcher im Boden wieder freilegen. Und obwohl die Störche schon wieder Brutverhalten zeigen, rechnen Schmidt und Schmoll nicht damit, dass in diesem Jahr noch einmal Jungtiere schlüpfen. „Dafür ist es schon zu spät im Jahr“, sagt der Stadtmitarbeiter.

Schmidt ist aber sicher, dass die Störche im nächsten Jahr wiederkommen. „Es gab ja genug Interessenten für den Horst.“ Die Stadt will die Konstruktion des Nestes überarbeiten, damit der Horst im nächsten Jahr nicht noch einmal volllaufen kann.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Kommentare