Forscher und Universalgelehrter

Elard Romershausen ist wohl der wahre Vater des Telefons

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Elard Romershausen

Niederurff. Zu seiner Zeit war er ein berühmter Forscher und ein Universalgelehrter. Aber kaum einer kennt ihn heute noch: Dr. Elard Romershausen, Pfarrer, Forscher und Konstrukteur. Aufgewachsen ist er in der Alten Pfarrei in Niederurff.

Zu seiner Zeit war er ein berühmter Forscher und ein Universalgelehrter. Er soll sogar den Begriff des Telefons geprägt haben. Seine Idee war es, Rohre durch die Eisenbahnlinien zu ziehen und durch sie die Schallwellen zu schicken, mit deren Hilfe man Worte über mehrere Kilometer transportieren könne.

Aber kaum einer kennt ihn heute noch: Dr. Elard Romershausen, Pfarrer, Forscher und Konstrukteur. Aufgewachsen ist er in der Alten Pfarrei in Niederurff. Dr. Stefan Pollmächer, der heute dort wohnt, wandelt deswegen heute auf den Spuren des Forschers, um mehr über sein Schaffen zu erfahren.

Mit dem Telefon in den Eisenbahnschienen war es dann nichts geworden, weil es schlicht zu laut wurde, wenn die Lokomotiven darüber brausten. Pollmächer zitiert einen Artikel von Spiegel online aus dem Jahr 2012. Demnach gilt Romershausen als Erfinder des Begriffs Telefon und nicht Philipp Reis, dem man das in Deutschland sonst gern zuspreche.

Pollmächer hat selbst erst in diesem Jahr über den Haller Wissenschaftler Karl-Heinz Krause von der Existenz Romershausens erfahren. Bis dahin wusste er nicht, dass in seinem Haus ein großer Forscher geboren worden war. Aber nun ist er fasziniert davon. „Romershausen muss geradezu gefesselt gewesen sein von Technik und Forschung“, sagte er. Der Sohn eines Pfarrers kam vor 230 Jahren, am 16. Januar 1748 in der Alten Pfarrei in Niederurff zur Welt. Nach der Schule besuchte er eine Forstanstalt in Densberg, bevor er auf Anraten seines Vaters nach Ziegenhain ging, um dort als Gerichtssekretär zu arbeiten und sich auf sein Studium vorzubereiten.

Ohne je eine höhere Schule besucht zu haben und ohne Abitur ging er dann nach Marburg auf die Phillips-Universität und studierte dort Mathematik, Physik, Philosophie, alte Sprachen und später Theologie. Romershausen wurde Pfarrer und bekam eine Stelle in Aken zwischen Halle und Magdeburg. Dort widmete er sich auch seinen vielfältigen wissenschaftlichen Interessen.

Hintergrund: Der Erfinder

Dr. Elard Romershausen richtete in Aken, wo er als Pfarrer tätig war, eine Sternwarte ein und erfand 33 Apparate und medizinische Instrumente. Zu seinen Erfindungen gehörte ein Luftreinigungsapparat für Lazarette und Krankenhäuser, mit dem er die Häuser keimfrei halten wollte. Damit war er ein Vorreiter.

Zu seinen weiteren Erfindungen gehörten ein Spiegeldiopter (ein Visier), ein Längenmesser, eine Wasserwaage, und sogar ein Instrument zum Zähneziehen sowie Extraktionspressen für Arzneipflanzen. Gerade der Adel habe sich damals oft mit der Forschung beschäftigt, erklärt Dr. Stefan Pollmächer. Feinmechaniker und Uhrenmacher setzten die Ideen des Erfinders um. Romershausen hat 190 gedruckte, naturwissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht. Noch heute könne man einen Teil dieser Schriften beziehen, sagt Pollmächer. Romershausen starb am 23. Dezember 1857 in Marburg. (tyx)

Hintergrund: Die Alte Pfarrei in Niederurff

Die Alte Pfarrei in Niederurff wurde Mitte des 15. Jahrhunderts das erste Mal erwähnt. Seitdem war sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Pfarrhaus in Niederurff. Später wurde das Gebäude als Bürgermeisteramt genutzt. Nach dem Krieg wurden dort Flüchtlinge untergebracht. Pollmächer hat das Haus 1990 erworben, lebt dort mit seiner Famiie und betreibt eine kleine Galerie, in der Kunst und Kultur Platz haben. (tyx)

Von Christine Thiery

Mehr zur Alten Pfarrei gibt es hier: www.alte-pfarrei-niederurff.de

Quelle: HNA

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