Thorben Weichgrebe im HNA-Interview

Die neue Gesundheitskarte: Was Patienten wissen müssen

Neue Karte: Thorben Weichgrebe ist Leiter Marketing bei der BKK Wirtschaft und Finanzen. Im Bild zeigt er seine elektronische Gesundheitskarte. Foto: Dewert

Melsungen. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen die elektronische Gesundheitskarte einführen. Zum Jahresende sollten 70 Prozent der Versicherten umgerüstet sein. Der Gesetzgeber drohte andernfalls mit finanziellen Sanktionen.

Die Gesundheitskarte soll der Versorgung der Patienten dienen und Kosten sparen. Kritiker befürchten indes Mängel bei der Datensicherheit. Wir haben mit Thorben Weichgrebe von der BKK Wirtschaft und Finanzen aus Melsungen gesprochen.

Herr Weichgrebe, hatten Sie schon mal einen Computer-Virus?

Weichgrebe: Ja. Den hatte ich ich. Sehr lästig.

Vertrauen Sie dem Internet und der Sicherheit von Datenbanken vorbehaltlos?

Weichgrebe: Nein, das tue ich nicht. Menschen mit einem hohen Maß an krimineller Energie finden meist einen Weg, Schaden anzurichten.

Wird die elektronische Gesundheitskarte sicher sein?

Weichgrebe: Ja. So sicher, wie es die Technik ermöglicht. Aber vor allem sind bislang bis auf die Stammdaten keine Patientendaten hinterlegt.

Was sind das für Daten?

Weichgrebe: Das sind der Name, die Straße und Postleitzahl, der Ort, der Zuzahlungsstatus, der Versichertenstatus und die Versichertennummer.

Aber dabei bleibt es nicht. Zum Beispiel soll das elektronische Rezept kommen.

Weichgrebe: Stimmt. Das rosa Rezept soll perspektivisch nicht mehr ausgestellt und mitgegeben werden. Es wird direkt auf dem Chip der Karte gespeichert. Der Apotheker kann es auslesen.

Was für Anwendungen sind geplant und möglich?

Weichgrebe: Grundsätzlich ist eine Patientenakte denkbar. Hinterlegt wären MRT-, und CT-Befunde, der Organspendestatus, und andere Befunde. Unnötige Behandlungen und Strahlenbelastungen würden eingedämmt.

Können diese Daten automatisch auf der Karte landen?

Weichgrebe: Nein, natürlich nicht. Das sind sensible Daten. Ohne eine ausdrückliche Einverständniserklärung der Versicherten wird das nicht passieren.

Die meisten Krankendaten gibt es ja bereits ohnehin digital. Wo liegt beispielsweise der letzte Laborbefund meines Blutes?

Weichgrebe: Diese Daten liegen anonymisiert bei den Leistungserbringern (Laboren) und bei den Ärzten. Kassen bekommen in der Regel nur die Abrechnungsinformationen.

Die große Angst der Datenschützer ist, dass zentral gespeicherte Patienteninformationen nicht sicher sein könnten.

Weichgrebe: Ich schätze das Risiko als sehr gering ein. Ohne eine Sicherheits-Pin und eine zweite Karte, die der Arzt besitzt, ist ein Auslesen der Daten unmöglich.

Haben Sie schon eine Karte?

Weichgrebe: Ja.

Sind Menschen unversichert, deren alte Karte abgelaufen ist?

Weichgrebe: Nein. Wer keine Gesundheitskarte möchte, genießt dennoch Versicherungsschutz. Um nicht auf Kosten sitzen zu bleiben, sollte er aber keinesfalls privat in Vorkasse gehen. Die Kassen bieten Behandlungsscheine. Wer Vorbehalte hat, sollte Kontakt mit seiner Kasse aufnehmen.

Von Damai D. Dewert.

Quelle: HNA

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