Kindergartenträger und Leitung in der Kritik

Schimmelpilzbefall in Kindergarten: Eltern erstatten Anzeige

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Diese Eltern haben Angst um die Gesundheit ihrer Kinder: (von links) Marion Kilian mit Sohn Mats (16 Monate), Jessica Bach mit Emil (3) und Andreas und Michaela Klatt mit Sohn Matthis (6) vor dem evangelischen Kindergarten in Wettesingen.

Breuna. Der evangelische Kindergarten in Wettesingen ist von einem Schimmelpilz befallen. Träger und Eltern streiten sich jetzt darüber, welche Gesundheitsgefahr dadurch für die Kinder ausgeht. Nach den Sommerferien sollen die Räume zunächst weiter genutzt werden. Für Vater Andreas Klatt ist das falsch.

 „Wir werden faustdick belogen - auf Kosten der Gesundheit der Kinder“, sagt Andreas Klatt. In der kommenden Woche will Klatt Anzeige erstatten wegen fahrlässiger Köperverletzung gegen Pfarrerin Monika Vöcking, den Kirchenvorstand und Kita-Leiterin Kerstin Herdemerten.

Um Klatt hat sich eine Elterninitiative gegründet, die die Aushändigung des vom Träger beauftragten baubiologischen Gutachtens fordert, das bereits vor mehr als zehn Jahren erstellt wurde. Der Vorwurf der Eltern: Viel zu lange wurden sie im Unklaren darüber gelassen, wie stark die Gesundheit ihrer Kinder durch den Schimmel gefährdet ist. „Wir hören erst auf, wenn wir unsere Kinder wieder ohne Angst in die Kita geben können“, sagt Klatt.

Schimmel?: Am Fenster der Kita war ein großer Fleck.

Es gibt zwei mikrobiologische Gutachten, drei Pilzgattungen wurden von einer Sachverständigen gefunden. „Es gibt allerdings keinen Befall in so hohem Maß, dass die Einrichtung hätte geschlossen werden müssen. Von Seiten des Jugendamtes wird diese Einschätzung geteilt“, sagt Vöcking. Und sie verspricht: „Wir werden im Herbst Sanierungsmaßnahmen ergreifen, um das Feuchtigkeitsproblem im Kindergarten zu lösen.“ Um welche Pilzarten es sich handelt und in welcher Konzentration, sagte Vöcking nicht. „Das wissen wir nicht.“

Dass die Eltern überhaupt vom Schimmel erfahren haben, dafür sorgte Architektin Nicole Baake Anfang 2013. Damals stellte sie im Zuge von Umbaumaßnahmen den Schimmelpilzbefall fest. „Uns gegenüber wurde das bis Januar verheimlicht“, sagt Klatt.

Von Nina Nickoll 

Hintergrund

Im Kindergarten Wettesingen wurden Sporen von drei Schimmelpilzen gefunden: Aspergillus, Cladosporium und Penicillium. Alle drei können laut der WHO allergische Reaktionen wie Husten, Nesselfieber oder Asthma auslösen, sowie zu einer Hypersensibilisierung führen. Aspergillus kann sogar innere Organe befallen und diese stark schädigen. Obgleich, die Konzentration ausschlaggebend ist, ob und wann Gesundheitschäden bei einem Befall auftreten, schreibt der „Schimmelpilzleitfaden“ des Umwelt Bundesamts (2005) vor: Schimmelpilzwachstum im Innenraumist immer zu beseitigen, denn Schimmelpilzbefall stellt ein hygienisches Problem dar. (rax)

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Quelle: HNA

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