G 8: Bouffiers Vorschlag löst Lob und Kritik aus

Jutta Blau

Schwalm-Eder. Gymnasien in Hessen werden in Zukunft selbst entscheiden dürfen, ob sie die Schulzeitverkürzung G 8 wieder abschaffen. Das hat Ministerpräsident Volker Bouffier bestätigt und eine entsprechende Regelung für den Beginn des Schuljahres 2013/14 angekündigt.

Doch selbst bei G 9-Befürwortern löst die Entscheidung keine Jubelstürme aus: „Wahlfreiheit bringt viele Probleme mit sich“, sagt Jutta Blau, Vorsitzende des Elternbeirats der Theodor-Heuss-Schule (THS) Homberg. Sie finde es nicht gut, dass so eine Konkurrenzsituation zwischen Schulen geschaffen werde, die sich für G 8 oder G 9 entscheiden.

„Trotzdem bin ich froh, dass nun eine Diskussion über das Thema eröffnet ist“, erklärt Blau. Was die Wahlfreiheit für die THS bedeute, müsse man im Gespräch mit der Schule noch klären. Blau positioniert sich aber klar gegen G 8: „Ich bin dagegen, dass Kinder so schnell durch die Schule geschleust werden.“

Konzepte gefragt

„Vollkommen sinnlos“ nennt Jürgen Küchmann die Entscheidung Bouffiers. Eltern könnten nie im Leben entscheiden, ob G 8 oder G 9 der richtige Weg sei, erklärt der Vorsitzende des Elternbeirats der Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen. Es müssten Konzepte von Fachleuten auf den Tisch - auch dazu, wie es bei G 8 weitergehen soll.

Zudem seien die Probleme nicht gelöst, wenn einige Schulen G 9 machten und andere G 8. „Es muss im Schulverbund eine Regelung mit Konzept gefunden werden.“

Sehr zufrieden mit der Entscheidung für die Wahlfreiheit der Gymnasien zeigte sich dagegen Volker Damm, Sprecher des Kreiselternbeirates. „Wir begrüßen diese Entscheidung grundsätzlich“, sagte er und verwies auf die Petition des Landeselternbeirates vor zwei Jahren, in der die Verkürzung der Mittelstufe (also G 8) abgelehnt worden sei.

Schon damals habe man große Belastungen der Schüler befürchtet, und das habe sich als richtig herausgestellt. In den vergangenen Monaten sei der Druck der Elternschaft auf die Politiker immer größer geworden und habe bewirkt, dass jetzt in ihrem Sinne reagiert wurde.

Von einem hektischen Wechsel hält Anette Heßler aus Neuental nichts. Sie arbeitete vier Jahre im Schulelternbeirat am Treysaer Schwalmgymnasium mit und findet es schade, dass die Frage um G 8 oder G 9 hierzulande zum Politikum geworden ist. Wichtig sei, dass die Schullandschaft vielfältig ist, um für jedes Kind die passende Schulart zu bieten.

Die Umstellung auf G8 habe eine riesige Anstrengung auch für die Lehrerkollegien bedeutet, viel Geld sei für neue Bücher ausgegeben worden. Eine Empfehlung für oder gegen die Rückkehr zum 13-jährigen Gymnasium möchte die Mutter einer Viertklässlerin und eines Sohnes am Beginn der G 8-Oberstufe gar nicht geben, aber neue Unsicherheiten durch unbedachte Entscheidungen sollten unbedingt vermieden werden.

Katy Weber, Elternbeiratsvorsitzende der König Heinrich Schule in Fritzlar, hält nichts von der Ankündigung Bouffiers: „Das ist nicht mehr als eine Nebelkerze.“

Dass die G 8/G 9-Diskussion nun die Gymnasien erreicht, sei gut: „Bisher waren die Gymnasien benachteiligt. Wieso durften Gesamtschulen selbst entscheiden und Gymnasien nicht?“ Weber ist für ein Angebot von G 8 und G 9 gleichzeitig, sofern das umsetzbar sei. (aqu/gör/ula)

Quelle: HNA

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