EM-Euphorie: Handballvereine hoffen nach Titelgewinn auf Mitgliederzulauf

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In der Kreissporthalle Gensungen herrschte am Sonntag Hochstimmung: Die Handballfans der HSG Gensungen/Felsberg feierten den EM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft.

Melsungen/Felsberg/Fritzlar.  Deutschland ist Handball-Europameister geworden. Wir haben nachgefragt, ob sich die Vereine einen Schub für die eigene Arbeit und vor allem den Nachwuchsbereich erhoffen.

Die gewonnene Weltmeisterschaft im Jahr 2007 habe Handball-Deutschland verschlafen, sagt Bernd Kaiser, Sprecher der MT Melsungen. Der Effekt sei damals schnell abgeebbt. „Aus dieser Erfahrung müssen wir lernen und den Hype, der aktuell herrscht, besser nutzen.“ Diese Handballbegeisterung müsse von Vereinen und Verbänden in alle Ebenen transportiert werden.

Die Jugendarbeit sei ein großes Thema: „Die Namen der Spielgemeinschaften würden länger. Immer mehr Vereine würden benötigt, eine sinnvolle Jugendarbeit zu gewährleisten. „Wir stehen in Konkurrenz zu so vielen Freizeitangeboten und den Neuen Medien - da müssen wir jede Möglichkeit ausschöpfen, Nachwuchs für den Handball zu begeistern“, sagt Kaiser. Dieses Anliegen habe seiner Meinung nach jeder Vereine in der Region.

„Ich kann zwar nicht für jeden Verein sprechen, aber ein Zuviel an Nachwuchs kann es nicht geben. Es seien viele Jugendjahrgänge zu durchlaufen, wenn man im Seniorenbereich profitieren möchte. „Wir müssen die Begeisterung und Motivation hochhalten. Wenn ein 8-Jähriger anfängt, dauert es immerhin zehn Jahre, bis er im Seniorenbereich spielt.“

Boom nicht nachhaltig

Auch bei Germania Fritzlar 1976 hat man die Erfahrung gemacht, dass eine Euphorie für den Handballsport nicht lange anhalten muss. „Nach der WM 2007 hatten wir einen deutlichen Mitgliederzulauf, besonders im Nachwuchsbereich. Der war aber leider nicht nachhaltig“, erklärt Steffen Schmude, Abteilungsleiter des Vereins.

Fußball dominiert

Ein öffentliches Ereignis sei zwar die beste Werbung für den Sport, trotzdem habe es der Handball in einem vom Fußball dominierten Land sehr schwer: „Handball kann mit dem Fußball in Deutschland nicht mithalten, trotzdem wäre es schön, wenn sich der Sport als Ballsportart Nummer zwei etabliert“, sagt Schmude.

280 Mitglieder sind zurzeit bei Germania Fritzlar 1976, nur ein Drittel der Mitglieder gehören zur Jugendabteilung. „Vor ungefähr zwei Jahren gab es einen großen Umbruch bei uns: viele Mannschaften brachen weg oder waren nicht mehr spielfähig, weil es zu wenig Mitglieder gab“, erinnert sich Schmude. „Seitdem versuchen wir auch durch Schnuppertage in Kindergärten und Schulen Nachwuchs zu werben“, sagt er.

Beim ESG Gensungen/Felsberg setzt man auf Spielgemeinschaften. „Ohne die Kooperation zwischen Spielern aus Felsberg, Gensungen, Böddiger, Brunslar und Melgershausen könnten Mannschaften nicht bestehen“, sagt Dieter Clobes, Leiter der ESG. Auch er hofft auf einen Zulauf für den Sport in der gesamten Bundesrepublik.

Quelle: HNA

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