Empfershäuser hat Melsunger Rathausfassade nach Saudi-Arabien gebracht

Friedrich Riemann aus Oberempfershausen hat die Melsunger Rathausfassade auf Stoff kopiert und in die Wüste gebracht: In Saudi Arabien ist sie zurzeit ausgestellt. Foto: Frangenberg

Melsungen/Oberempfershausen. Friedrich Riemann aus Oberempfershausen hat die Fassade des Melsunger Rathauses nach Saudi-Arabien gebracht. Für ein großes Kulturfestival nahe der saudischen Hauptstadt Riad hat der Grafik-Designer Teile der Melsunger Rathausfassade, des Spangenberger Schlosses und der Guxhagener Breitenau nachbilden lassen. Bis zu sechs Millionen Besucher werden diese jetzt bestaunen.

„Ich habe die drei Objekte abfotografiert, anschließend wurden sie auf Stoffbespannungen gedruckt und über Fassaden gespannt“, erklärt Riemann. Die Nachbildungen sehen so dem Original erstaunlich ähnlich.

Beim alljährlichen Janadriyah Festival in Saudi-Arabien präsentiert sich ein wechselndes Gastland mit seiner Kultur und Wirtschaft. 2015 sollte das Deutschland sein, aufgrund des Todes von König Abdullah wurde das Festival aber um ein Jahr verschoben und findet noch bis zum 20. März im Ort Al-Thamama nahe der saudischen Hauptstadt Riad statt.

„Meine Aufgabe war es, die Ausstellungsräume mit Fassaden in unterschiedlichem Baustil zu gestalten“, erklärt Riemann, der von einer Messebaufirma engagiert worden ist. Der gebürtige Melsunger hat neben bekannten Fassaden aus Hamburg und Lübeck auch Motive aus seiner nordhessischen Heimat gewählt.

„Deutschland präsentiert sich bei dem Festival als Land der Traditionen - dazu gehört besonders auch das Fachwerk, die Märchen, das Image des Landes der Dichter und Denker“, erklärt Riemann. Die „German Gemütlichkeit“ und das mittelalterliche Fachwerk lasse sich sehr gut ins Ausland verkaufen, weiß der Grafik-Designer.

„Besonders für Menschen aus fernen Ländern sind sicherlich unser Baustil und die Festungen interessant“, sagt Karin Braun von der Melsunger Tourist-Info. Sie ist stolz, dass nun ein Stück von Melsungen in der saudischen Wüste präsentiert wird. „Die arabischen Länder haben kein Holz, Fachwerkhäuser gibt es dort also nicht, alles wird aus Lehm gebaut“, ergänzt Riemann.

Seit dem Sommer 2014 hat der Grafik-Designer für die Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft des deutschen Außenministeriums steht, gearbeitet. Vor Ort in Saudi-Arabien sein musste der 61-Jährige dafür nicht, sondern er konnte die Stoffbespannungen in Deutschland planen.

„Da die Ausstellung durch den Tod des Königs ein Jahr verschoben werden musste, wurde sie 2015 in Alufolie gepackt“, erklärt Riemann. Durch die hohen Temperaturen in Saudi-Arabien von bis zu 70 Grad musste die gesamte Ausstellung außerdem ein Jahr lang gekühlt werden. „Sonst hätten sich die bedruckten Stoffe verzogen“, erläutert Riemann.

Schade sei es, dass die Nachbildungen aus Melsungen, Guxhagen und Spangenberg in einem Land ausgestellt werden, das so weit weg sei, bedauert Touristikerin Braun. „Trotzdem ist es eine tolle Werbung für unsere Region“, sagt sie.

Zur Person:

Friedrich Riemann wurde am 16. Juni 1954 in Melsungen geboren. Der 61-Jährige hat Grafik-Design studiert und ist seit 20 Jahren in diesem Beruf selbstständig. Riemann lebt im Körler Ortsteil Oberempfershausen, er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Quelle: HNA

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