Bürgermeisterwahl: Bad Emstaler SPD-Politiker äußern sich zur Schlappe

Rainer Hering

Bad Emstal. Die Wahl ist vorbei, die Wogen allerdings noch längst nicht geglättet bei den Sozialdemokraten in Bad Emstal.

Deren Bürgemeisterkandidatin Dr. Meike Werther hatte nur 34,4 Prozent einfahren können - eine Schlappe nicht nur für die Frau aus Kassel, sondern auch für die örtliche SPD.

„Das Ergebnis ist unerfreulich, und wir sind sehr enttäuscht“, formuliert Rainer Hering, Vorsitzender des größten der vier Bad Emstaler SPD-Ortsvereine, vorsichtig. Allerdings sei es für Dr. Werther auch schwer gewesen, gegen den Amtsinhaber und seinen Bekanntheitsgrad zu punkten.

Ob die SPD auf die richtige Kandidatin gesetzt haben, beantwortet Hering mit klarem Ja. Zwei Kandidaten hatte der Findungsausschuss ausgewählt, Meike Werther setzte sich auch bei den Mitgliedern durch. „Sie hat unsere Aussagen aus dem Kommunalwahlkampf aufgenommen und die Bad Emstaler SPD-Linie durchaus zufriedenstellend erfüllt.“ Auch im Wahlkampf seien Dr. Werther keinerlei Versäumnisse vorzuwerfen - sie sei sachlich geblieben, obwohl sie unter abqualifizierenden Bemerkungen und persönlichen Attacken zu leiden gehabt habe.

Für die SPD gehe, so Hering, das politische Leben weiter: „Wir haben bei der Kommunalwahl mit 46 Prozent der Stimmen einen klaren Auftrag bekommen. Den gilt es zu erfüllen.“ Als nächstes mit dem noch nicht verabschiedeten Haushalt und dem Thermalbad.

Hartwin Neumann hat als Pressesprecher Dr. Werthers den Wahlkampf hautnah erlebt. „Ich glaube, Bad Emstal hat generell Probleme mit einer Frau im Bürgermeisteramt“, sagt er. Der Wahlkampf sei möglicherweise auch zu sachorientiert und zu wenig personenbezogen geführt worden. „Wir hätten deutlicher die Defizite der Konkurrenten darstellen müssen.“ Vielleicht sei es diese Zurückhaltung, die auf Wunsch der Kandidatin erfolgte, die beim Wahlergebnis dann negativ zu Buche geschlagen hätte.

Parallelen zum Ausgang der ersten Wahl von Ralf Pfeiffer, als die SPD ebenfalls einen Kandidaten ins Rennen geschickt hatte, sieht Neumann nicht. „Da hatten wir ganz andere Probleme. Das war damals ein klares Abstrafen der Partei.“

Die SPD-Fraktion im Gemeindeparlament will sich in den nächsten Tagen treffen, um ihre Richtung und ihre Vorstellungen für die Arbeit der kommenden Zeit zu definieren, so Vorsitzender Jens Siegmann. Dabei werde auch das Wahlergebnis bewertet, erst dann gebe es eine Stellungnahme. Siegmann erklärte vorab jedoch, seine Fraktion habe in der Vergangenheit oft versucht, Bürgermeister Ralf Pfeiffer ins Boot zu holen, das habe aber „nicht richtig funktioniert“. Man werde aber auch in Zukunft keine Blockadepolitik gegen wiedergewählten Verwaltungschef, der von der Bürgerliste unterstützt wurde, betreiben, wohl aber nach wie vor darauf drängen, dass „er auch mal über seinen Schatten springt“, betonte Siegmann.

Das sagt Dr. Meike Werther:

„Als Ortsfremde hat man es besonders schwer.“ Aber mit einer derartigen Niederlage hätte sie nicht gerechnet, so Dr. Meike Werther, SPD-Kandidatin der Bürgermeisterwahl. Auch die Härte des Wahlkampfes hätte sie so nicht erwartet. Als Person habe man sie zu wenig wahrgenommen, aber „ich bin keine Marionette der Partei gewesen“. Kurz vor dem Wahltag seien auch politische Altlasten wieder hochgekocht, dem hätte sie mit Sachargumenten kaum wirkungsvoll entgegentreten können. Hinzugekommen seien dann noch Missverständnisse über einige ihrer Äußerungen: „Ich habe nie gemeint, dass die Bad Emstaler unintelligent sind.“ Vielleicht sei sie aber auch zu naiv an die Sache herangegangen. Ihr Rat für die künftige Arbeit im Parlament: Die „Hardliner“ aller Fraktionen mit dem Bürgermeister an einen Tisch holen und eine gemeinsame Zielvereinbarung treffen.

Das sagt Wilfried Wehnes:

„Was bis zum Wahlsonntag war, ist für mich jetzt ad acta gelegt“, sagt Wilfried Wehnes, Urgestein der SPD in Bad Emstal und derzeit Vorsitzender der Gemeindevertretung. Den Stil, wie miteinander umgegangen wurde und noch wird - vor allem im Internet - findet der langjährige Kommunalpolitiker „an vielen Stellen unerträglich“. Der Bürgermeisterwahlkampf habe Auswirkungen auch auf das Parlament gehabt, habe die Aggressivität in den Debatten wieder deutlich emotionalisiert und verschärft. Wehnes kündigte an, er werde nicht zuletzt deshalb in der nächsten Sitzung der Gemeindevertreter ein Statement abgeben. Darin will er nachdrücklich an den Bürgermeister und an alle drei Fraktionen appellieren, gemeinsam zum Wohl der Gemeinde zu arbeiten. Man müsse „untereinander und miteinander reden“ und eine neue Form finden, dies auch nach außen zu transportieren. (bic)

Von Cornelia Lehmann

Quelle: HNA

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