Umzug nach Herleshausen

Ende einer Ära: Pfarrerfamilie Fehr geht nach 22 Jahren

+
Das Ländliche liegt ihr: Pfarrerin Marita Fehr in der für das Erntedankfest dekorierten Altenhasunger Kirche.

Altenhasungen. In Altenhasungen geht eine Ära zuende: Die Pfarrerfamilie Fehr verlässt das Dorf und zieht nach Herleshausen.

Mit der Ordnung ist es schon seit Tagen vorbei im Altenhasunger Pfarrhaus. Kartons stehen auf dem Boden, Hausrat, sortiert und verpackt, wartet auf den Abtransport. Die Fehrs ziehen aus, fort aus dem Dorf, dem sie 22 Jahre treu waren.

Viel wurde schon mit dem privaten Auto ins neue Domizil nach Herleshausen chauffiert, heute kommt ein professionelles Umzugsunternehmen und wird den Rest verladen. Es geht zurück zu den Wurzeln von Marita Fehr, ins geerbte Elternhaus an der Grenze zu Thüringen, dorthin, wo sie vor gut 40 Jahren aufbrach, um Theologie zu studieren.

Am Sonntag verabschiedetete sich die beliebte Pfarrerin in einem vorgezogenen Erntedankgottesdienst von den Gläubigen des Kirchspiels Altenhasungen, Wenigenhasungen und Nothfelden - und die Gemeindeglieder von ihrer Pfarrerin. Den Weggang haben Marita Fehr und ihr Mann Wolf, mit dem sie sich von 1993 bis 1999 die Pfarrstelle teilte, schon seit längerem vorbereitet. Vor drei Jahren hatte der Mieter des Elternhauses gekündigt. Die Fehrs verzichteten auf eine erneute Vermietung, renovierten stattdessen das Haus. Es sollte das Domizil für den Lebensabschnitt nach der Pensionierung werden.

„Das Haus ist fertig, und ich erlebe, dass mein Mann sich dort gut eingefunden hat und inzwischen öfter dort als hier in Altenhasungen ist“, sagt die 60-Jährige. Drei Jahre hat sie noch bis zur Rente, die ihr Mann Wolf (75) längst genießt. Eine doppelte Haushaltsführung und ständiges Hin- und Herfahren wollte man sich nicht antun, also suchte sie nach einer Arbeitsmöglichkeit in der Nähe von Herleshausen und fand sie in der Stadtkirchengemeinde Eschwege. Dort wird sie die kommenden Jahre mit einer halben Stelle aktiv sein, darüber hinaus in einem Nachbarort über sechs Monate mit einer weiteren halben Stelle.

Sie sei gerne in Altenhasungen und ihrem Kirchspiel gewesen, sagt die Mutter zweier längst erwachsener Kinder. „Ich bin eine Dorfpflanze. Ich hätte mir ein Leben in der Stadt nicht vorstellen können.“ Sie spricht von einem „Leben in der Überschaubarkeit“ und von „Begegnungen, die wiederkehrend sind“. Das finde man in dieser Form nur auf dem Land.

Gerne erinnert sich Marita Fehr an die Renovierungen der Kirchen in Altenhasungen, Wenigenhasungen und Nothfelden. „Das war etwas, was ich nicht als zeitaufwändig empfunden habe, wenn man dann das Ergebnis sieht“, sagt die Pfarrerin. Und sie schwärmt von der „starken Beteiligung der Leute“. Diese „Begegnungen, wo man zusammen arbeitet, Putz rauskratzt und Speis anrührt“, habe sie als sehr bereichernd empfunden.

Nach 22 gemeinsamen Jahren zu gehen, falle ihr nicht leicht. „Es ist eine innere Arbeit, sich hier von den Leuten zu lösen. Das ist traurig, da ist viel Wehmut. Aber ich spüre auch, dass die Entscheidung okay ist. Es ist da eine innere Gewissheit.“

In ihre neue, alte Heimat wird sie ihre Liebe zum Chorgesang mitnehmen, ihre Vorliebe fürs Gärtnern („das erdet und hilft auch zu verarbeiten“. Und die Hasunger Mundart. Die beherrscht sie längst so gut, dass man sie, wie sie zwischen Kisten und Kartons das Drunter und Drüber im Pfarrhaus auf Platt kommentiert, glatt für eine Eingeborene des Erpedörfchens halten könnte.

Quelle: HNA

Kommentare