Angeklagter gab Taten unumwunden zu

Kuriose Diebestouren: Bewährungsstrafe für 32-Jährigen aus dem Altkreis

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Treysa. Im vergangenen Jahr wurde eine Gemeinde im Altkreis Ziegenhain von einer durchaus ungewöhnlichen Einbruchsserie heimgesucht. Jetzt setzte ein Prozess den juristischen Schlusspunkt.

Dabei wurde ein Einbrecher und Dieb zu einer siebenmonatigen Haftstrafe verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Akten türmten sich regelrecht auf dem Tisch von Richter und Staatsanwalt. Der Vorwurf: Mindestens in drei Fällen soll ein Produktionshelfer aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis im Herbst in Wohnungen und Geschäften eingebrochen sein. Darüber hinaus habe der 32-jährige Angeklagte ein Auto gestohlen und unerlaubterweise in einem Dorf im Altkreis in einer Wohnung gehaust. Erst ein couragierter Nachbar machte mit einer Axt bewaffnet dem Treiben ein Ende und stellte den Mann nach kurzer Verfolgung.

Der Angeklagte war ohne Verteidiger erschienen und gab die Taten unumwunden zu. „Wenn ich etwas sage, ist das doch von Vorteil oder?“, wandte sich der bislang nicht vorbestrafte Mann fragend an den Staatsanwalt.

Da Aussage und Vorwürfe in einigen Punkten nicht deckungsgleich waren, wurden insgesamt zwölf Zeugen gehört. Insbesondere beim Diebesgut unterschieden sich die Angaben des Angeklagten von der Aktenlage und Zeugenaussagen.

Er habe zum damaligen Zeitpunkt ein starkes Problem mit Betäubungsmitteln gehabt und unter Verfolgungswahn gelitten, sagte der Produktionshelfer: „Keine Ahnung, was mich da geritten hat.“

Schlüssel steckte im Auto 

Der Autodiebstahl sei spontan erfolgt. Der Wagen mit steckendem Schlüssel habe auf dem Parkplatz eines Supermarktes gestanden, so der 37-Jährige. Bei einem Einbruch in einem Lebensmittelgeschäft entwendete der Angeklagte laut Zeuge lediglich ein paar Zigaretten, trank eine Tüte Milch und aß einen Schokoriegel. An den Diebstahl einer Damenhose von einer Wäscheleine konnte sich der Mann überhaupt nicht mehr erinnern. Offensichtlich: Aufwand und Nutzen der Taten standen häufig in keinem Verhältnis.

Ausgangspunkt der Diebestour war ein noch nicht bezogenes Haus in einem Dorf im nördlichen Teil des Altkreises. „Ich habe dort mehr oder weniger Schutz gesucht“, erklärte der 37-Jährige. Als die Hausinhaber ihn entdeckten, schloss sich der Mann in ein Zimmer ein und ließ sich widerstandslos von der Polizei festnehmen. Der Mann sei barfuß gewesen, habe sich mit Stiften bemalt und die Haare mit einer Nagelschere geschnitten, schilderte ein Polizist: „Er hat einen durchaus leicht verwirrten Eindruck gemacht.“

Kurioses Ende: Wenige Tage nach seiner ersten Verhaftung stieg der Mann am helllichten Tag wieder in das Haus ein. Hängte Türen aus, räumte Sperrmüll nach draußen und legte ein Herz aus Pflastersteinen auf die Wiese. „Da hat er sich wohl nützlich gemacht“, kommentierte der Staatsanwalt die Aussage einer Zeugin.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt schließlich unter Berücksichtigung der besonderen Umstände eine verhältnismäßig milde Strafe: „Sie waren damals in einer Lebensphase von vier bis sechs Monaten, in der Sie völlig aus der Spur gelaufen sind.“

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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