Schülerin muss mit dem Anruf-Sammeltaxi fahren

NVV stellte Fahrplan in Bad Zwesten um: Endstation Brunnenstraße

Verwirrung am Fahrplan: Katja und Matthias Otschenaschek mit Tochter Mara an der Bushaltestelle in Bad Zwestens Brunnenstraße. Foto: Thiery

Bad Zwesten. Wenn Mara Otschenaschek mittags Schulschluss hat, steigt sie in Fritzlar in den Bus ein und macht sich auf den Weg nach Niederurff. Ganz bis dahin kommt die Zehnjährige mit dem Bus allerdings seit kurzem nicht mehr.

In Bad Zwesten ist Schluss. Seit dem 15. Dezember, im Zuge der Umstellung des Fahrplans des Nordhessischen Verkehrsbundes (NVV), fährt kein Anschlussbus mehr nach Niederurff. Die Schülerin der König-Heinrich-Schule kann dann nur das Anrufsammeltaxi nutzen, das ihre Eltern wöchentlich für sie bestellen müssen. Wenn das vergessen wird, muss die Schülerin nach Hause laufen oder die Mutter anrufen.

„Das ist kein Zustand“, meint Vater Matthias Otschenaschek. Der Angestellte im Bauhof der Gemeinde Bad Zwesten findet es nicht gut, dass der Plan geändert wurde. Die Familie muss erst einmal täglich den Euro für das Anrufsammeltaxi vorstrecken.

Fahrt seit dem Sommer

Mutter Katja hat sich beim Landkreis erkundigt: „Das Geld müssen wir erst zahlen, die Belege sammeln und dann bekommen wir das Geld erstattet.“ Die Fahrt mit dem Bus ist für die Gymnasiastin kostenlos. Der Kreis übernimmt die Kosten der Beförderung.

Matthias Otschenaschek ist schon aus Prinzip gegen diese Handhabung. Der Kreis müsse es den Kindern ermöglichen ein öffentliches Gymnasium zu besuchen. Das nächste sei nun einmal die König-Heinrich-Schule in Fritzlar. Daher müsse der Kreis dann auch für eine reibungslose Beförderung sorgen. Weil die Busverbindungen aber so schlecht sind, würden viele Eltern ihre Kinder nach Oberurff auf die Christophorusschule schicken.

Das ist aber eine kostenpflichtige Privatschule, monatliche Gebühren werden erhoben. Einige Eltern würden die Kinder auch nach Borken auf die Gesamtschule geben.

Für Otschenascheks ist das alles keine Alternative. Ihre Tochter soll und will das Regelgymnasium in Fritzlar besuchen. Bis zum 15. Dezember war noch alles in Ordnung: Mittags fuhr ein Bus nach Niederurff, der Fahrer habe immer auf die Kinder gewartet.

Noch schwerer sei es, nachmittags von der Fritzlarer Schule nach Hause zu kommen. Bekannte erzählten den Otschenascheks, der Bus fahre dann nur bis Kleinenglis, von wo die Eltern ihre Kinder dann abholen müssten. Mara geht zurzeit nur bis 13 Uhr zur Schule, aber in den nächsten Jahren wird auch Nachmittagsunterricht auf die Schülerin zu kommen.

Vater Matthias glaubt, dass noch mehr Eltern ihre Kinder auf die Schule nach Fritzlar schicken würden, wenn die Busverbindungen besser wären. „Das ist keine Gleichbehandlung für uns auf dem Dorf“, meint er. In den Städten sei das wesentlich besser geregelt. Der Staat sei dafür verantwortlich, dass die Kinder ohne große Umwege und kostenfrei zur Schule kommen können.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

Kommentare