Kraftstrombezugsgenossenschaft Homberg will Zentrum für Erdwärmenutzung werden

Energie aus der Tiefe

Die Sonde aus vier Leitungen: Dr. Reiner Braun vom Ingenieurbüro Unger erklärt die Nutzung der Erdwärme.

Homberg. Der Erweiterungs- und Neubau des Homberger Stromversorgers KBG (Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft) im Ostpreußenweg wird künftig von einer Erdwärmepumpe mit Heizenergie versorgt - und kann damit im Sommer auch gekühlt werden.

Mehr noch: Das Betriebsgebäude soll künftig zu einem Kompetenzzentrum für Erdwärme (Geothermie) werden, in dem sich interessierte Bauherrn umfassend über die Technologie informieren können.

Wie diese Art der Energiegewinnung funktioniert, demonstrierten KBG und die Fachfirmen in dieser Woche auf der Baustelle. Ein mehrere Meter hoher Bohrturm vor dem Haus stand zunächst im Mittelpunkt, denn Grundlage für die Erdwärmenutzung sind bis zu 200 Meter tiefe Löcher, die mit Pressluft und ins Erdreich gebohrt werden.

Das Prinzip der Erdwärmepumpe entspricht dem eines Kühlschranks, nur andersherum: Den tieferen Erdschichten wird mit Hilfe eines Gemischs aus Wasser und Frostschutzmitteln, das in dem Rohrsystem der Sonde läuft, Wärme entzogen. Diese Wärme wird in einem Verdichter dem Heizsystem zugeführt wird, bis 30 bis 35 Grad erreicht sind, die für eine Fußbodenheizung ausreichen. Diese Wärmepumpe wird mit Strom betrieben.

"Wir haben aber auch den Zusatznutzen einer Klimaanlage", betonte Wolfgang Imberger, Geschäftsführer der KBG. Wenn es im Sommer richtig heiß wird, dann kann die Wärmepumpe umgeschaltet werden und transportiert Kühle in die Räume.

Voraussetzung für den richtigen Einsatz einer Erdwärmepumpe sind nach Aussagen des planenden Ingenieurs Dr. Reiner Braun intensive Vorarbeiten. Über den Untergrund müsse man gut informiert sein, damit man die optimale Tiefe einer Bohrung richtig bestimmen könne.

Unternehmen wie die KBG wollen die Nutzung der Geothermie vorantreiben, weil sie darin eine sinnvolle Alternative zu fossilen Energiequellen sehen. Außerdem liefern sie den elektrischen Strom.

Die KBG fördert den Bau einer Erdwärmepumpe mit zurzeit 300 Euro und bietet außerdem einen Sondertarif für den Strom an. "Inzwischen gibt es in Homberg 18 Wärmepumpen", bilanzierte Imberger. Besonders für größere Gebäudekomplexe lohne sich diese Art der Energienutzung.

Die Öko-Bilanz der Wärmepumpen ist besonders in Deutschland durchaus umstritten, erfreut sich aber zum Beispiel in der Schweiz großer Beliebtheit. Dort würden inzwischen 75 Prozent der Neubauten mit Wärmepumpen ausgerüstet, schreibt etwa die Neue Züricher Zeitung.

"Geothermie wird bei uns halt noch etwas stiefmütterlich behandelt", sagt Dr. Reiner Braun. Er sieht jedoch gute Chancen für die kommenden Jahre.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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