Komödie Düsseldorf war zu Gast in der Melsunger Stadthalle

Erbschleicher-Chaos mit Kalle Pohl

Ein wunderbares Trio: von links Kalle Pohl, Momme Mommsen und Kerstin Gähle. Foto:  Kuberczyk-Stein

Melsungen. „Setz dich auf deinen Hintern und schreib mir ein knackiges Boulevard-Stück“, hatte der Kabarettist und Comedy-Mann Kalle Pohl seinem Freund, dem Autor Erich Virch geraten, als dieser in einer Krise steckte. Virch hielt sich dran. Das Ergebnis: „Denn sie wissen nicht, was sie erben“, begeisterte am Donnerstag die 420 Besucher in der Melsunger Stadthalle restlos.

Gags, Darsteller und Handlung ließen beim Publikum den Lachpegel auf Lautstärkewerte schnellen, die an die legendären Aufführungen des Ohnsorg-Theaters erinnerten.

Der Höhepunkt: Kalle Pohl alias Erbschleicher Dietrich Buschmeier trifft als Erblasserin Oma Witha verkleidet auf das Bühnenoriginal (Silvana Sansoni als köstlich schrullige Nervensäge). Pohl mit Silberperücke, Sturmbrille und in Frauenkleidern: Das Publikum brüllte vor Vergnügen. Die Handlung des Stückes? Im Grunde waren es nur Korsettstangen für die zahlreichen Gags, Kalauer und Zoten, die die bestens aufgelegten Darsteller mit Esprit und viel komödiantischem Potential ins Rennen um die Erbschaft schickten.

Die Handlungsskizze: Oma Witha ist von der Leiter gefallen und liegt im Krankenhaus. Steueranwalt und Dauernörgler Dietrich Buschmann entdeckt in einem Urnenkrug ihr Testament und kocht vor Wut: Die alte Dame, die die Familie mit Dauerbeschallungen wie „Ich höre zwar, kann aber nichts verstehen. Ich sehe zwar, kann aber nichts erkennen“ seit Jahren nervt, hat nicht ihn, sondern Vetter Eugen als Alleinerben eingesetzt. Ihm gebührt ein Sonderlob für Momme Momsen, der einen trinkfreudigen Hobby-Dichter gab.

Buschmeier und seine Frau (Kerstin Gähte) schreiben das Testament zu ihren Gunsten um. Doch die tot Geglaubte kehrt zurück.

Das alles ergab ein turbulentes Spiel um Täuschung, Erbschleicherei und Habsucht, in das auch Ordensschwester „Severitas“ (Michaela Klarwein), Nachbarin „Doris Schmidt“ (Ruth Willems) zusätzlich Verwirrung bringen.

Fazit: Liebenswerte Verlierertypen, wunderbar schräg überzeichnet, herrlicher Blödsinn pur, wenn Pohl und Momsen mit den Händen in Urnen steckenbleiben und ein Kalle Pohl, dem die Figur des Querulanten Buschmann bestens auf den Leib geschrieben wurde.

Für all das gab es vom lachtrunkenen Publikum am Ende des vergnüglichen Abends lautstarken Beifall.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Quelle: HNA

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