Hermann Bauermeister erinnert sich an die Theatergruppe „Mein Schwälmer Land“

Erfolg als singender Müller

Abend im Neukirchener Kinosaal: Von 1955 bis 1963 traten die Akteure der Theatergruppe „Mein Schwälmer Land“ unter der Regie des Künstlerehepaares Wilhelm und Paula Breidenbach nicht nur im Knüll, sondern auch in Berlin auf. Foto: Privat/nh

Neukirchen. Den Künstler Wilhelm Breidenbach und seine Frau Paula, eine Sängerin – beide mit Engagement an der Komischen Oper Berlin – verschlug es Mitte der 1950er-Jahre nach Schorbach. Für Hermann Bauermeister (80) und viele andere Neukirchener war das ein großes Glück: Denn das Paar gründete die Laienschauspielgruppe „Mein Schwälmer Land“. Von 1955 bis 63 bespielten die Akteure Bühnen in der Region und fuhren sogar in Schwälmer Tracht zu einem Auftritt nach Berlin.

Hermann Bauermeister war einer von ihnen – der begeisterte Sänger und gelernte Müller war häufig in Hauptrollen zu sehen. „Wir hatten eine tolle Kapelle dabei, unter anderem mit einem Berufsgeiger“, erzählt er. Im Neukirchener Kinosaal begeisterte die Truppe das Publikum, aber auch in Schorbach und Homberg traten die Schauspieler häufig auf.

„Als wir jedoch in Berlin mit der Tracht auftraten, dachten alle, wir mit unseren Fellmützen seien Kosaken.“

Hermann Bauermeister

Der gelernte Müller entdeckte schon als Kind seine Liebe zur Musik. Anfangs spielte er „In the mood“ auf der Blockflöte, später nahm er Klavierunterricht. „Ich war ja bei der Arbeit auf dem Schlepper oder in der Mühle immer allein – da konnte ich wunderbar singen üben“, erzählt der Neukirchener.

Viel Zuspruch

Die Truppe begeisterte nicht nur das Publikum: Landrat Pfuhl besuchte immer wieder Theaterabende, die Presse lobte die Akteure für ihre Professionalität und ihr Können. „Als wir jedoch in Berlin mit der Tracht auftraten, dachten alle, wir mit unseren Fellmützen seien Kosaken“, erinnert sich der 80-Jährige.

Hermann Bauermeister war in Neukirchen schnell als der „singende Müller“ bekannt. „Die Singerei“ – wie er sein Hobby nennt – habe ihm viele unvergessliche Erlebnisse beschert. Auf Mallorca sang er in Höhlen zusammen mit Künstlern – und zwar einfach spontan, denn Bauermeister war dort im Urlaub. Bei der Plattenfirma Polydor nahm er an einem Wettbewerb teil. „Der wurde aber wegen der ersten Funkausstellung abgeblasen“, erklärt der Neukirchener. Bei seiner Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Lübeck unterhielt er gemeinsam mit Müllergeselle Becker – „wir nannten uns kurz B und B und fühlten uns wie die BeeGees“ – die Prüfer.

Gefragter Musiker

Auch in seiner Heimatstadt war Bauermeister gefragt: Bei der Kirmes, bei Hochzeiten und Festen stand er regelmäßig auf der Bühne. Und wenn er nicht gerade ein Solo sang, dann verstärkte er den Männerchor Concordia – bis zur Auflösung 2007. Der frühere Stadtverordnetenvorsteher war außerdem im Spielmannszug der Feuerwehr, als Trommler.

Die Liebe zur Musik, die ist Hermann Bauermeister geblieben: „Nur die Stimme macht im Alter nicht mehr so mit.“ Stolz ist der Neukirchener auf einen Konzertmitschnitt aus den 1960er-Jahren. Dem lauscht er zunächst still und stimmt dann beherzt mit ein – mit noch immer klarer Tenorstimme.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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