Meister seit 50 Jahren – Waltraud Held und Karl-Heinz Heyde lieben ihren Beruf

Erfülltes Leben im Salon

Im Salon Held: Waltraud Held (76) und Karl-Heinz Heyde (74) berichten aus ihrer Berufspraxis. Beide erwarben vor 50 Jahren ihren Meisterbrief. Foto: Quehl

Frielendorf/Schwalmstadt. Irgendwann beginnt man, mit ganzem Herzen Friseur zu sein. Enden soll das für die beiden Gold-Meister Waltraud Held (Frielendorf) und Karl-Heinz Heyde (Ziegenhain) am besten nie.

Mit 76 und 74 Jahren stehen die beiden Tag für Tag in ihren Salons. Leben und arbeiten, Freunde und Kunden - beides hat sich für beide in den Jahrzehnten vermischt und verbunden.

Für Waltraud Held gab es schon als ganz junges Mädchen nur den einen Berufswunsch. Die Hildesheimerin wurde Mitte der fünfziger Jahre Lehrling in einem Salon mit 17 Angestellten, obwohl ihre Eltern sie wesentlich lieber in einer Bank oder einem Büro gesehen hätten. Die junge Frau aber war vom ersten Tag an fasziniert. Ihrem Mann Heinrich folgte sie nach Frielendorf, sie war es dann, die die Meisterprüfung ablegte, um das Geschäft seiner Eltern in der Ortsmitte führen zu können. Sehr harmonisch sei die tagtägliche Zusammenarbeit gewesen. Beide Töchter taten es den Eltern gleich, und heute ist auch ihr Enkel erfolgreich in der Branche. Das Gen schlug voll durch, „es ist und bleibt mein Traumberuf“, bekennt die 76-Jährige.

„Ein freundliches Gesicht zu zeigen erfordert weniger Muskeln als ein griesgrämiges.“

Für den jungen Karl-Heinz Heyde war es zunächst einmal alles andere. Seine Eltern waren schon tot, er wuchs bei den Großeltern auf, als er 1953 in Bad Wildungen bei einem Herrenfrisör in die Lehre geschickt wurde, „einfach, weil es sich so ergab“. Doch auch den Wildunger packte die Leidenschaft für das Frisörhandwerk, nachdem er auch ins Damenfach wechselte. Seine „Wanderjahre“, wie Heyde es nennt, führten ihn weit herum unter anderem bis nach München, Düsseldorf und Duisburg, wo er an der Verbandsfachschule seinen Faible fürs Lehren entdeckte. Sein eigenes Geschäft baute er ab 1962 in Ziegenhain auf, zeitlebens engagierte er sich in der Ausbildung, unterrichte 20 Jahre lang an der Berufsschule, wurde Innungsobermeister und arbeitete in zahlreichen Gremien mit.

Um die 450 Lehrlinge half Heyde auszubilden, versteht sich ein wenig als Botschafter für die Zukunft seiner Zunft, denn beide Gold-Meister schlagen bewusst eine Bresche für ihren Beruf, der schon vor Christi Geburt bezeugt sei und der immer, auch im Internetzeitalter, gefragt bleiben werde.

So freute sich Waltraud Held letztlich, als ihr Enkel sich für den Beruf entschied. Auch Karl-Heinz Heydes Tochter ist Frisörin. Denn unterm Strich mache die Arbeit einfach Freude - wenn man kreativ ist und Interesse an Mode und Trends hat. Nach wie vor freut sich Gold-Meisterin Held Monat für Monat auf die neuen Fachzeitschriften und schaut gern Technikvideos. Heyde besucht alle Jahre die Deutschen Frisörmeisterschaften in Frankfurt/M. und reist regelmäßig zu einer Expertenveranstaltung in Hannover.

Übereinstimmend finden beide, dass der Beruf ihnen viel Lebensfreude und damit Lebensqualität gegeben habe, dass sie eine besonders erfüllende Arbeit hatten und, wenn es die Gesundheit zulässt, noch einige Zeit haben. Denn, so Heyde: „Man lebt mit seinem Kundenstamm, ist mit ihm wie mit mit Freunden eng verbunden. Ich freue mich jeden Morgen aufs Geschäft und meine Kunden.“

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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