Erika Carstensen-Bretheuer veröffentlichte Buch über Amerika-Auswanderer

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Die Geschichte der deutschen Flüchtlinge: Erika Carstensen-Bretheuer mit ihrem neuen Buch über die Auswanderungen von Menschen aus Beuern nach Amerika im 19. und 20. Jahrhundert. 

Beuern. Heute suchen Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis Schutz und eine Perspektive für ihr Leben: Vor 150 Jahren flüchteten hunderte Menschen aus der Region vor Hunger und Armut nach Amerika.

Über die Menschen, die zwischen Mitte des 19. und der Wendezeit des 20. Jahrhunderts Beuern verließen und ihr Glück in den USA suchten, hat Erika-Carstensen-Bretheuer nun ein Buch geschrieben.

Aus Beuern in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, lautet der Titel. „Mein Interesse ist es, zu zeigen, dass das, was heute passiert, es auch bei uns gegeben hat“, sagt die Autorin.

Die Überseefahrt sei damals sehr teuer gewesen, da gab es keinen Rückfahrschein mehr. Auf dem Segelschiff kostete sie so viel wie zwei bis drei Jahresgehälter, auf den modernen Dampfern war sie wesentlich teurer. Man verließ die Heimat fürs Leben, sagt die Autorin. Daher verabschiedete man sich von seinen Familien und sah sie oft nie wieder. Oft waren es junge Männer, die ihr Glück in der Ferne suchten und dann später Frauen nachkommen ließen, weil sie in der neuen Heimat keine fanden. Auch da sieht Carstensen-Bretheuer Parallelen zur den heutigen Flüchtlingen.

Deutschenghettos 

Die Akzeptanz der Neubürger in Amerika sei nicht so gewesen wie erhofft. „Lange Zeit reichten die Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern nicht über das Geschäftliche hinaus“, heißt es in dem Buch. Dafür seien weniger die Sprachbarrieren verantwortlich gewesen, als die beiderseitige Reserviertheit wegen sozialer Anschauungen, geht es weiter. Die Deutschen wurden als „Habenichtse“ tituliert. „Es gab richtige Deutschenghettos mit deutschen Geschäften und es wurden eine Reihe von deutschen Zeitungen heraus gebracht“, recherchierte die 63-Jährige.

Hungersnot 

Und Amerika lockte. Die Armut in der Region sei damals groß gewesen. Es habe mehrere Missernten hintereinander und regelrechte Hungersnot geherrscht.

In Amerika sei die Nachfrage nach guten Handwerkern sehr groß gewesen, weshalb sich viele von Deutschland aus auf den Weg machten. Bauernsöhne, die den Hof nicht erbten und ihr Erbteil in die Überfahrt investierten, gehörten dazu. Zudem habe es in der Region viele kleine Weber gegeben, die der Industrialisierung zum Opfer fielen.

Das Buch hat 104 Seiten und ist mit vielen Quellen aufbereitet, die vorwiegend Familien und Menschen aus Beuern stammend betreffen, darüber hinaus es gibt auch allgemeine Informationen über die Auswanderwelle. Die Illustrationen sowie die Druckvorlagen stammen von Jutta Konetzka.

Kontakt: Erika Carstensen-Bretheuer, Tel. 05662/4278.

Quelle: HNA

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