Erikas halten zusammen: Heise pflegt demenzkranke Schwiegermutter  

Frielendorf. Wenn Erika Heises Schwiegermutter ihr zum Dank sachte über die Hand streichelt, dann geht das der Todenhäuserin „durch und durch, bis in die Zehenspitzen“.

Auch das Land Hessen hat sich bei Erika Heise für die aufopferungsvolle Pflege ihrer demenzkranken Schwiegermutter bedankt. In Wiesbaden überreichte ihr der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner die Pflegemedaille des Landes.

„Ich war völlig überrascht. Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt“, sagt Erika Heise. Drei Tage habe sie gebraucht, um die Einladung ins Schloss Biebrich in Wiesbaden anzunehmen. „So in der Öffentlichkeit zu stehen, ist mir unangenehm. Ich mach meine Arbeit. Die Pflege, das ist meine Aufgabe“, sagt Erika Heise.

Diese Aufgabe erfüllt sie seit 15 Jahren. Die Todenhäuserin pflegte ihre Patentante, ihre Eltern und die Geschwister ihres Ehemanns, bevor sie die Pflege ihrer „Oma“ übernahm. So nennt Erika Heise ihre Schwiegermutter liebevoll.

Ihre Familie weiß: Erika hat ein Händchen für die Pflege. Als ihr Schwiegervater an Krebs erkrankte, bat er seine Schwiegertochter, sich um seine Ehefrau zu kümmern: „Du kannst das, bei dir ist sie gut aufgehoben.“

„Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Ich hab das als Herausforderung gesehen. Aber Bammel hatte ich schon“, sagt Erika Heise. Die gelernte Hauswirtschafterin begann jede Menge Bücher und Zeitschriften über den Umgang mit Demenzkranken zu lesen. Und dann habe sie sich eben durchgebissen. Ihre Schwiegermutter ist schwerstpflegebedürftig. Sprechen und aufstehen kann die alte Frau nicht mehr. Rund um die Uhr ist Erika Heise für ihre Schwiegermutter da. Alle vier Stunden muss ihre „Oma“ umgebettet werden.

Wenig Zeit für ihre Hobbys

Viel Zeit für ihre Kakteenzucht und ihren Garten bleibt Erika Heise nicht. „Wir Erikas, wir müssen doch zusammenhalten, sage ich immer zu Oma“, fügt die Todenhäuserin. Ihre Schwiegermutter heißt wie sie auch mit Vornamen Erika.

Als die 63-Jährige ihren Mann kennenlernte, war das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter angespannt. „Sie war sauer, dass ich ihr ihren Sohn weggenommen habe.“ Für Erika Heise verließ ihr Mann seine Heimat Ottlar am Diemelsee.

„Mit den Jahren hat sie dann gemerkt, dass ich doch nicht so verkehrt bin“, sagt die 63-Jährige und lacht. Sie sei fasziniert von ihrer Schwiegermutter. Sie hätte so viel geschafft in ihrem Leben. „Da soll sie es in ihren letzten Jahren gut haben.“

Die Urkunde aus Wiesbaden liegt noch in einer blauen Mappe. Zu viele Besucher wollten immer mal wieder einen Blick auf die Auszeichnung werfen. „Wenn der Trubel vorbei ist, rahme ich die Urkunde ein und hänge sie bei Oma auf“, sagt Erika Heise. HINTERGRUND

Von Ann-Kristin Herbst

Quelle: HNA

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