KSK-Ausstellung: Zugewanderte Homberger geben Einblick in ihre Lebensgeschichten

Erinnerung an das Leben

Emotionale Erinnerungen: Rudolf Fiebig – hier neben seiner ausgestellten Lebensgeschichte – nahm am Biografieprojekt teil. Foto: Ehl-von Unwerth

HOMBERG. „Vergessen kann ich meine ehemalige Heimat nicht, aber zurückkehren möchte ich niemals. Homberg ist mein Zuhause.“ Vor 20 Jahren kam die heute 71-jährige Tamara Wolf aus Kasachstan nach Deutschland. Diesen Lebenseinschnitt teilt sie mit vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in die Bundesrepublik zugewandert sind.

Allein in Homberg leben Menschen aus 80 Nationen, ein jeder mit seiner eigenen Vergangenheit, mit seiner individuellen Lebensgeschichte.

„In Deutschland war alles anders: die Kultur, die Gesetze und sogar die Freunde.“

Ein Projektteilnehmer aus Russland

Einige dieser Lebenserfahrungen sind derzeit unter dem Titel „In Biografien anderer lesen“ bis einschließlich 25. November in einer Ausstellung in der Homberger Kreissparkasse zu sehen.

Das Fundament dazu legten Mitarbeiter der Homberger Stadtteilagentur Bahnhofsgebiet. In einem Biografieprojekt führten sie Gespräche mit zugereisten Hombergern verschiedener Herkunft. Markante Stationen aus deren bewegten und bewegenden Erinnerungen wurden zusammengetragen und für die Ausstellung aufbereitet.

Wie viele Emotionen eine solche biografische Selbstreflexion weckt, ist den Erinnerungen von Rudolf Fiebig zu entnehmen: Im Osten nahe Frankfurt/Oder geboren, floh er 1945 als Jugendlicher mit seiner Familie vor der russischen Infanterie und musste sich der Vertreibung durch das polnische Militär beugen. In Homberg ist der Agraringenieur nun bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert zuhause.

So unterschiedlich die Herkunftsländer, so differenziert sind auch die Beweggründe der Menschen, ihre einstige Heimat zu verlassen: Vertreibung und die Rückbesinnung auf deutsche Wurzeln gehörten dazu ebenso wie Krieg, Stammeskämpfe und hohe Kriminalität.

Die größten Probleme im neuen Lebensabschnitt bargen Sprachprobleme, Kontaktschwierigkeiten, Heimweh wie auch kulturelle Unterschiede. Als persönlichen Gewinn hingegen empfanden sie Faktoren wie deutsche Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und freie Meinungsäußerung, Hilfsbereitschaft sowie vielfältige Integrationsprojekte.

Ziel der Ausstellung sei, den Blick für die eigene wie auch für andere Kulturen zu öffnen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken und die Bedeutung kultureller Vielfalt zu erkennen, resümierte Klaus Herz, Quartiermanager des Homberger Integrationsprojektes „Soziale Stadt“.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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