Der Weltkrieg im Alltag: Erinnerungen an Herbst und Winter 1914 in Homberg

Der Erste Weltkrieg: Zahlreiche Seminaristen aus Homberg meldeten sich in Kassel freiwillig zum Kriegsdienst. Viele kehrten nie zurück. Foto: privat/Repro Schattner

Homberg. Schon einen Monat nach Beginn des Krieges 1914 zeigte sich, dass das Kaiserreich wirtschaftliche Probleme bekommen würde. Die Auswirkungen waren konkret spürbar. So musste der Postwagenbetrieb zwischen Homberg und Wabern nach nur zwei Jahren Betrieb am 1. September 1914, eingestellt werden.

Die beiden Postautos waren vom Militär angefordert worden, um in grauer Farbe im Feldpostdienst zu stehen.

Zudem wurde ein Lastwagen der Homberger Gesellschaftsbrauerei von der Heeresverwaltung zu Kriegszwecken angekauft. Es mangelte an Arbeitskräften in der Ernte, sodass Schüler und Frauen aushelfen mussten. Bei der Bahn beispielsweise wurden Frauen eingesetzt, um die Fahrkarten zu kontrollieren.

Auch in manchen Geschäften mussten die Frauen ran, so etwas im jüdischen Textilkaufhaus Höxter. Die Ehefrauen von Julius und Robert, Paulina und Selma managten in Abwesenheit ihrer Männer das jüdische Textilkaufhaus Höxter. Andere Geschäfte stellten ihren Betrieb während des Krieges ein.

Das Geschäftshaus Heinrich Lamprecht baute vor und warb bei den Rekruten für Leibbinden, Lungenschützer, Socken, Unterhosen, Hosenträger, das Geschäft Friedrich Faust Nachfolger für wasserdichte Westen.

Der erste Gedächtnisgottesdienst in Homberg fand am 27. September statt und erinnerte an die ersten drei Gefallenen der Stadt: Kaufmann und Unteroffizier Friedrich Walther, Musketier Gerhard Krein und der Barbier Wilhelm Mönch.

Immer mehr beherrschen Anzeigen das Homberger Kreisblatt, in denen für fertig Särge geworben wird. Gleichzeitig sollte auf das Tragen von Trauerkleidung verzichtet werden. Ansonsten, so befürchtete das Blatt, läge „eine Grabesstimme über Deutschland“. Stattdessen wurde für propagandistische Kriegspostkarten und „Feldpostbriefe mit Cigarren oder Cigaretten“ geworben. Auch die „Erste illustrierte Geschichte des Weltkrieges“ wurde annonciert.

Bis zum Herbst hatten 50 000 Soldaten den Homberger Bahnhof passiert. Nach Beendigung der Truppendurchzüge wurde die Erfrischungsstation am Bahnhof am 28. Oktober abgebaut. Mehr als 1100 Laibe Brot, 12 000 Brötchen und 2300 Würste waren dort ausgegeben worden.

Das nächste Projekt des Vaterländischen Frauenvereins war ein Verwundetenlazarett in den oberen Etagen des Seminargebäudes. Die Seminaristen wurden in bürgerliche Quartiere umgesiedelt, das Lazarett wurde am 29. Oktober eröffnet.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten traten immer mehr in den Vordergrund. Stück für Stück wurden seit August die Höchstpreise für Nahrungsmittel reglementiert. Hinzu kam ein Mangel an Petroleum.

Dennoch weihnachtete es auch 1914 in der Stadt. Für die Verwundeten im Lazarett gab es eine Weihnachtsfeier.

Ende des Jahres sah die Bilanz der ersten Kriegsmonate für die Stadt grausam aus. Bei Ypern in Flandern geriet der deutsche Vormarsch ins Stocken, es gab einen Stellungskrieg. In Flandern fanden auch viele freiwillige Seminaristen den „Heldentod“, andere starben an der Ostfront. 14 tote Seminaristen und zwei vermisste Homberg, lautete eine erste traurige Bilanz.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

Kommentare