Josef Schaal und Oskar König trafen sich nach 66 Jahren im Buchenhaus wieder

Erinnerungen verbinden

Wollen weiter in Kontakt bleiben: Josef Schaal und Bärbel Wölk freuen sich auf einen baldigen Besuch von Dorothea und Oskar König (von links) in Sebbeterode. Foto: Privat/nh

Sebbeterode/Hessisch-Lichtenau. Wenn sich Josef Schaal an seine gerade einmal vier Wochen zurück liegende Reise – eine Seniorenfreizeit des Kreises ins Buchenhaus – erinnert, dann geht ihm das immer noch nah: Denn dort traf der 72-jährige Sebbeteröder nach 66 Jahren den 74-jährigen Oskar König wieder. Beide stammen aus dem Sudetenland, beide aus dem 400-Seelen-Dörfchen Reschen.

Eine Vorstellungsrunde der Reisenden brachte es an den Tag und diesen ersten Abend werden wohl beide nie vergessen.

„Mir war es schon fast peinlich, dass sich der Josef so detailliert vorgestellt hat“, erzählt seine Lebensgefährtin Bärbel Wölk.

Als sich schließlich Oskar König erhob und erklärte, er sei ebenfalls in Reschen geboren und aufgewachsen, war die Überraschung mehr als groß. „Der Josef sprang auf und rief, das gibt es doch nicht. Dann lief er zu mir und umarmte mich“, erinnert sich König. Dass sie jedoch je miteinander gespielt haben, das schließen beide aus. „Der Oskar war doch zwei Jahre älter, mit dem hatte ich nichts zu tun“, sagt der Sebbeteröder. Den Familienname habe er aber sofort wiedererkannt. Königs wurden im April ausgesiedelt, Schaals Mitte August.

Neben vielen Erinnerungen haben sich die Männer auch noch ihren Dialekt bewahrt: „Die beiden haben gleich in Sudetendeutsch miteinander diskutiert“, sagt Bärbel Wölk. Oskar König besuchte 2009 die alte Heimat, Josef Schaal 2002. Viel sei vom Ort nicht mehr übrig geblieben, sagen beide. Heute heißt das Dorf Resov und ist Teil Tschechiens. „Ich hatte alles viel größer in Erinnerung“, erzählt der Sebbeteröder. Doch das alte Bauernhaus stehe noch, sei von einem Architekten umgebaut worden.

Fensterscheibe und Erde

Die alte Hausnummer habe achtlos herum gelegen: „Die habe ich mir als Andenken mitgenommen“, erklärt Schaal. Und Bärbel Wölk nahm für Josef Schaals Mutter ein Stück alte Fensterscheibe – „die hat sie schließlich schon geputzt“ – und ein wenig Erde mit. „Die haben wir auf das Grab von Josefs Vater gestreut.“ Die Geschichten werden wohl den Familien Schaal/Wölk und König nicht ausgehen.

Das haben die beiden Paare schon recht bald im Buchenhaus festgestellt. Den Kontakt wollen sie weiter pflegen, telefonieren häufig. Noch vor Weihnachten werden sich die Familien wiedersehen: Dann machen Königs aus Hessisch-Lichtenau Station in Sebbeterode.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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