Spiel Deutschland-Paris im November

So erlebte ein Waberner die Terror-Nacht von Paris

Ein Nordhesse in Paris: Andreas Gabriel im Stadtviertel Montparnasse. Foto: bf

Paris. Wer an Fußballspiele zwischen Frankreich und Deutschland denkt, der denkt an den Krimi während der Weltmeisterschaft 1982, an das Halbfinale der Weltmeisterschaft 1986.

Das sind Erinnerungen an den reinen Fußball. Aber damit hat es sich nicht. Deutschland gegen Frankreich, das war auch jene Partie am 13. November 2015 im Pariser Stade de France, nach deren Ende keiner mehr über Fußball gesprochen hat, sondern nur noch über den Terror, der über die französische Hauptstadt hereingebrochen ist. Die Täter schlugen am Stadion, in Cafés und in einer Konzerthalle zu, am Ende starben 130 Menschen.

Andreas Gabriel (34) aus dem nordhessischen Zennern, einem Ortsteil von Wabern, war an diesem Abend ebenfalls auf einem Konzert in seinem heutigen Wohnort Paris; er und seine Freundin bekamen die Karten von Freunden geschenkt. „Es war komisch“, sagt er nun. „Wir haben über eine Push-up-Nachricht erfahren, dass es eine Schießerei gegeben haben soll und dann realisiert, dass sie ganz in der Nähe unserer Wohnung stattgefunden haben muss.“

Gabriel und seine Freundin machten sich schnell nach Hause, ehe sie das ganze Ausmaß des Terrors mitbekamen. „Das war schockierend. Gerade bei den Anschlägen auf die Cafés denkt man: Mensch, da hätten wir auch sitzen können.“

Gabriel erzählt das nun alles mit dem Abstand von gut acht Monaten. Er sitzt in einem Café im Stadtviertel Montparnasse, das Leben auf den Straßen geht seinen normalen Gang, und Gabriel sagt: „Die Leute vergessen sehr schnell, sie können das Geschehene gut ausblenden.“ Er, der auf dem Land in Nordhessen aufgewachsen ist, schiebt das Phänomen auf die Großstadt: „Sie lebt und verändert sich immer.“ Sie verdrängt.

Seit sieben Jahren lebt Gabriel nun schon mit einer kurzen Unterbrechung in Paris, er arbeitet bei einem Verband und leitet ein kleines Referat, das sich um europäische Austauschprogramme im Bereich Berufsbildung kümmert. Er hat die Franzosen schätzen und lieben gelernt, auch wenn er in den vergangenen Jahren eine Tendenz zur missmutigen Stimmung festgestellt hat. Die wirtschaftlich schlechte Lage färbe auf die Laune der Leute ab, hinzu kämen die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen – gerade während der EM.

Auf dem Weg zum Café musste Gabriel die Fanmeile lediglich passieren. „Aber auch da bin ich genau kontrolliert worden“, sagt er. Immerhin: Die Leistungen der französischen Mannschaft haben für eine Portion Zuversicht im Land gesorgt – und das, obwohl viele Franzosen, so sagt es Gabriel, lange mit diesem Team fremdelten.

Heute also dann wieder Frankreich gegen Deutschland – in Marseille. Gabriel freut sich auf die Partie. Er, der einst für den TSV Wabern und kurz auch für die Hessenauswahl gespielt hat, hält dann aber doch zu Deutschland.

Quelle: HNA

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