Ernst Ulrich von Weizsäcker in Melsunger Kulturfabrik: Die Natur macht bankrott

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Nahmen den Klimaschutz in den Blick: Gastredner Ernst Ulrich von Weizsäcker (zweiter von links) war der Festredner beim Forum der Kreissparkasse Schwalm-Eder. Das Foto zeigt ihn mit Karl-Otto Winter, Vorsitzender der KSK Schwalm-Eder, (rechts), dessen Stellvertreter Thomas Gille (links) und Landrat Frank-Martin Neupärtl.

Schwalm-Eder. Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker hat eine alarmierende Botschaft: „Wir haben nur eine Erde, aber wir tun so, als hätten wir fünf." Diese These präsentierte der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten beim Forum der Kreissparkasse (KSK) Schwalm-Eder am Mittwochabend in der Melsunger Kulturfabrik.

Allein der Name von Weizsäcker erwies sich als wahrer Puiblikumsmagnet: von Weizsäcker lockte 750 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sparkassenkundschaft zum Forum. Das drehte sich an diesem Abend um ein einziges Thema: Die Frage, wie und ob diese Welt noch zu retten ist.

Von Weizsäcker denkt auf dem Weg zu einer nachhaltigen weltweiten Energie- und Umweltpolitik nicht regional, sondern global: „Wenn ein Erdbeerjoghurt fürs Frühstück noch 8000 Kilometer durch Europa gefahren wird, ist unser Versorgungswohlstand ungebrochen.“

Dieser Wohlstand führe aber in absehbarer Zeit zu einem Naturbankrott. „Oder wir schaffen uns einfach fünf Erden an“, schlug von Weizsäcker vor. Der Naturwissenschaftler und Ökonom sieht den Konsumwahn als Wurzel allen Übels. Bürokratische „Erdbeerjoghurt-Transport-Intensitätsbegrenzungs-Verordnungen“ allein könnten auf dem Weg zu besserem Umweltschutz nicht weiterhelfen. „Wir müssen Genügsamkeit lernen. Sie ist schick und sexy, sie macht glücklich und keinesfalls arm“, erklärt von Weizsäcker. Denn Effizienz sei zwar wunderbar, doch in den vergangenen 200 Jahren habe die Wohlstandssucht alle Gewinne aufgefressen. Die globale Umweltpolitik stagniere seit Jahren.

Schwellenländer wollten erst dann Verpflichtungen eingehen, wenn auch der Westen als größter Schadstoffverursacher kürzer trete. „Die Priorität ist immer Reichtum, nicht die Umwelt.“

Von Weizsäcker hofft auf eine neue technische Revolution, auf Investitionen in erneuerbare Energien, auf das Ende der gedankenlosen Konsumwirtschaft. „Erst dann können alle Menschen ohne Angst und doch bei hoher Wirtschaftlichkeit leben, denn wir haben nur diese eine Erde.“

Den Worten folgten Taten. Jeder Gast spendete zehn Euro für den Klimaschutz im Kreis. Die Sparkasse verdoppelte die Endsumme von 7500 auf 15.000 Euro. „Gute Traditionen pflegen wir vor allem, wenn es um den Klimaschutz geht“, erklärte Karl-Otto Winter, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Schwalm-Eder. Landrat Frank-Martin Neupärtl packte weitere 10.000 Euro vom Kreis oben drauf: „Zuletzt haben wir den Austausch stromfressender Geräte gefördert, diesmal sollen alte Heizungspumpen ausgewechselt werden - für mehr Nachhaltigkeit im Kreis.“

Von Jasmin Paul

Quelle: HNA

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