Ersparnisse weg

Angeblicher Unfall: Familie fällt auf Trickbetrüger herein

Schwalm-Eder. Alexander B. (Name von der Redaktion geändert) kocht vor Wut. Seine Ersparnisse sind weg. 15.000 Euro verloren er und seine Mutter an einem Freitag im Dezember innerhalb von einer Stunde. Ein Trickbetrüger hatte sie erbeutet.

Gegen 12.30 Uhr erhielt die 71-jährige Russlanddeutsche einen Anruf, in dem ihr ein Mann in russischer Sprache mitteilte, ihr Sohn habe einen Unfall gehabt. Dann nannte er ihr eine Telefonnummer, unter der sie ihren Sohn erreichen könne. Die Rentnerin war geschockt, rief zurück und sprach mit einem Mann, der sich als ihr Sohn ausgab und russisch mit ihr sprach. Die Mutter war so aufgeregt, dass den Schwindel nicht bemerkte.

Er habe ihr erzählt, dass er einen schweren Unfall gehabt und dabei ein Mädchen aus Litauen angefahren und schwer verletzt habe, erzählte der angebliche Sohn. Die Eltern des Mädchens wollten nun Geld, damit sie nicht zur Polizei gehen. Er hätte Angst um seinen Führerschein und sie solle ihm das Geld geben, sonst müsse er ins Gefängnis.

Er fragte sie, wie viel Geld sie habe und drängte sie, auch das Geld des Sohnes zu holen. "Mama, wie viel Geld hast du im Umschlag?", fragte er flehend. Dann sagte er, er müsse ins Krankenhaus und verband sie mit einem anderen Mann, der sich als Botschafter aus Litauen ausgab. Dieser sagte ihr, dass ein Mann das Geld holen wolle. Der würde ihr das quittieren. Der Mann redete auf die Rentnerin ein, machte ihr Druck und ließ sie nicht ins Überlegen kommen.

Sie war verzweifelt und tat alles, was er sagte, holte ihr Erspartes, das sie zu Hause aufbewahrte, und das Geld des Sohnes, der gerade einen Bausparvertrag ausgezahlt bekommen hatte. Dann ging sie sogar zur Nachbarin und lieh sich dort noch Geld. Insgesamt kamen 15 000 Euro zusammen, die ein Mann eine Stunde später abholte.

Als Alexander B. gegen 13.30 Uhr zu seiner Mutter kam, saß sie im Wohnzimmer. Immer noch war der Mann, der sich als Diplomat ausgegeben hatte, am Telefon und redet noch immer auf seine Mutter ein. Auf dem Tisch lag der Umschlag leer.

"Wenn ich vier Minuten früher da gewesen wäre, hätte ich ihn schnappen können", sagt Alexander B. noch heute kopfschüttelnd. Er fährt jeden Freitag zur selben Zeit zu seinen Eltern, um den Rentnern im Haushalt zu helfen und wäre normalerweise da gewesen. Ausgerechnet an diesem Freitag hatte er sich allerdings Zeit gelassen, weil er schon am Donnerstag einen Teil der Arbeit erledigt hatte.

Sofort fuhr Alexander B. zur Polizei, zeigte den Betrug in der Hoffnung an, dass die Beamten noch losfahren und die Täter finden würde. Vergebens. Der 43-Jährige ist verzweifelt über den Verlust des Geldes. Denn seine Eltern hatten es für ihr Begräbnis gespart.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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