Gemeinsames Mahl bei der Familie von Ali Kaya in der Kadr-Nacht des Ramadan

Ramadan: Erst abends wird gegessen

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Reich gedeckter Tisch: Kenan Kaya, Bahri Kaya, Ersin Tonguç, Bayram Kiliç, Rraziye Kiliç, Ethem Kiliç, Derya Kaya, Ümmü-Gülsum Kiliç, Ali Kaya, Emine Kiliç und Zerrin Kaya (von links) feierten gemeinsam Fastenbrechen.

Melsungen. Es ist 20.51 Uhr, die Sonne ist untergegangen. In dem Haus von Ali Kaya in Melsungen duftet es nach Essen.

In der Kadr-Nacht feierte er mit Familie und Freunden das gemeinsame Fastenbrechen des Tages im islamischen Fastenmonat Ramadan oder wie die Türken sagen: Ramazan.

Während des Ramadan trifft sich die türkische Familie regelmäßig zum gemeinsamen Essen nach Sonnenuntergang. Im Ramadan – dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders – essen und trinken die gläubigen Muslime von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang nichts. „Das Fasten festigt den Charakter“, sagt Bayram Kiliç.

Das Hungergefühl sei dabei nicht sehr schlimm. Mehr zu schaffen macht dem Neffen von Ali Kaya an heißen Tagen der Durst. „Wir haben die Gewissheit, dass wir am Abend etwas haben“, sagt er.

So war es auch beim gemeinsamen Fastenbrechen, Iftar, am Dienstag im Haus von Ali Kaya. Seine Kinder dürfen es mit dem Fasten halten, wie sie wollen. „Mit der Zeit entsteht eine Mischkultur“, sagt er. „Das ist eine Bereicherung für die Kinder und auch für Deutschland“, findet der Rentner.

Festmahl

Seit dem Nachmittag stand Zerrin Kaya mit ihrer Tochter Derya und ihrer Nichte Emine Kiliç in der Küche. Sie bereiteten das Festmahl für den Abend vor. Schwer falle es ihr nicht, dem Essen vor ihrer Nase zu widerstehen, sagt Zerrin Kaya. Nur das Abschmecken funktioniere nicht.

Das hat ihr Ehemann Ali Kaya übernommen. Er kann wegen einer Erkrankung nicht fasten. „Kranke, Ältere, Menschen auf Reisen und Kinder unter zwölf Jahren sind befreit vom Fasten“, sagt der Rentner.

Aufgetischt wurden drei Gänge. Zuerst die so genannte Brautsuppe – eine Art Linsensuppe – gefolgt von Auflauf, Reis, Salat und selbst eingelegte Pepperoni. Zum Nachtisch servierten die Frauen türkische Süßigkeiten und Melonen. Vor dem Essen sprach Ethem Kiliç das Gebet zum Fastenbrechen aus dem Nebenzimmer. Für den Zehnjährigen war es das erste Mal, dass er dieses bei einer Feier im Haus seines Onkels sprechen durfte. Nach dem Gebetsruf gab es für jeden eine Dattel oder einen Schluck Wasser, um das Fasten für diesen Tag zu beenden.

Nacht in der Moschee

Als die Teller geleert waren, sprach die 14-jährige Rraziye Kiliç ein Dankgebet. Danach saßen Ali Kaya und seine Gäste bei türkischem Tee beisammen. Bayram Kiliç verabschiedete sich als Erster. Er wollte die Nacht mit seiner Frau Emine und den drei Kindern in der Moschee verbringen.

Gebete sind wichtig

„Die Gebete in der Kadr-Nacht sind sehr wichtig, denn sie sind mehr wert als in allen anderen Nächten“, sagt Bayram Kiliç. Die übrigen Gäste verfolgten die Gebete aus Moscheen der ganzen Welt per Live-Übertragung über den Fernseher im Nebenzimmer.

Von Verena Koch

Quelle: HNA

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