Erst Flammen, dann Filme auf der Melsunger Freilichtbühne

Melsungen. Es ist dunkel. Die Hand vor Augen kaum zu sehen. Kälte schleicht durch alle textilen Ritzen. Nur auf dem Terrain der Melsunger Freilichtbühne sorgen offene Feuerstellen für Licht und Wärme.

Zum „Kältischen Abend“, der wie jedes Jahr die Saison der Open-Air-Bühne eröffnet, waren am Samstag etwa 200 Besucher gekommen, um ein paar gemütliche Stunden zu verbringen - bei Musik, Wanderführungen durch den Wald und Feuerartistik.

„Wir konnten unser Publikum bislang immer begeistern“, sagte Dieter Naleppa von der Projektgruppe Freilichtbühne der Lokalen Agenda. Das sei vor allem der heimeligen Atmosphäre geschuldet. Der Atmosphäre nämlich, die an einem kalten Winterabend entsteht, der durch zahlreiche Feuer illuminiert wird. So auch am Samstag. Höhepunkt des Abends war die Feuerartistik-Gruppe Evil Flames aus Habichtswald. Désirée Schulte und Michael Kreiker zelebrierten mit Feuerrädern, Fackeln und finsterer Miene eine geradezu diabolische Performance, die beim Publikum bestens ankam. „Feuer ist ein reizvolles Element - als Artist kann man damit die verschiedensten Stimmungen erzeugen“, sagte Kreiker, der mit solchen Darbietungen seinen Lebensunterhalt verdient. „Außerdem verbindet Feuer die Menschen, man denke nur ans Lagerfeuer.“

Und das zeigte sich am Samstag ein weiteres Mal. „Feuerartistik finden wir beeindruckend“, sagte Annette Leuthardt aus Melsungen, die mit ihrer Familie gekommen war. „Wir sind extra deswegen hergekommen“, ergänzte Gatte Jörg. Und Martin Reihert aus dem Sauerland, der am Wochenende Freunde in Melsungen besuchte, war mehr als beeindruckt: „Ich habe schon mal selber versucht, diese Feuerkunst zu machen - aber das ist zu schwierig und gefährlich.“ Was die Evil Flames am Samstag präsentierten, war für Reihert „der pure Wahnsinn.“

Das jährliche Kinoprogramm der Melsunger Open-Air-Bühne wird vom Organisatorenteam seit sieben Jahren veranstaltet. Mit der Saison-Eröffnung im Februar habe man „einfach mal was Verrücktes machen“ wollen, sagte Dieter Naleppa: „Wer lädt schon im Winter sein Publikum nach draußen ein?“

Das Konzept geht auf. „Insgesamt waren unsere Kinoangebote von Anfang an ein Erfolg“, resümierte der Mitorganisator. Lediglich zweimal habe das Wetter das gute Gelingen vereitelt: „Es gab ein Jahr, in dem wir von 13 gerade mal fünf Filme zeigen konnten.“Das sei aber ein kalkulierbares Risiko.

Wie es in Zukunft weitergeht, ist derzeit nicht ganz klar. „Weil momentan die Jugendherberge zur Disposition steht, und die ist mit unserer Freilichtbühne eng verknüpft“, sagte Naleppa. So werde zum einen in der Herberge das Material für alle Veranstaltungen gelagert, zum anderen habe das Personal der Einrichtung immer fleißig bei allen Abenden geholfen. Naleppa: „Wenn das nun auf der Kippe steht, dann müssen auch wir uns möglicherweise neu orientieren.“

Acht Filme wird das Team in diesem Jahr vorführen, los geht’s am 24. Juni mit „Die Friseuse“. Das Programm der Kinosaison 2011 wird demnächst im Internet veröffentlicht auf www.freilichtbuehne-melsungen.de

Quelle: HNA

Kommentare