Serie: Fritzlar damals und heute – Alte Ansichten stammen aus dem Jahr 1867 – Start mit dem Marktplatz

Erst heute glänzt das Fachwerk

Heute im neuen Glanz: Das freigelegte Fachwerk beeindruckt, der alte Brunnen wurde wieder freigelegt. Nur das Pflaster blieb unverändert. Fotos: Stadtarchiv/Kessler/nh

Fritzlar. Als August Jablonsky aus Berlin im Jahr 1867 im Auftrag des Landrates Christian-Ludwig Weber die ersten Fotografien von Fritzlar machte, war diese künstlerische Technik gerade einmal 30 Jahre alt. Österreichs Kaiserpaar Franz-Joseph und Sissi wurde gekrönt als ungarisches Königspaar, Alfred Nobel erfand das Dynamit und Zar Alexander verkaufte Alaska für 7,2 Millionen Dollar an die USA.

In Fritzlar erlebten die Menschen einen bürgerlich-geruhsamen Alltag. Am 27. Mai hatte der Fotograf sein Stativ am Ostende des Marktplatzes aufgestellt. Der Landrat wollte die historischen Bauwerke der Stadt dokumentieren lassen, die damals vom Verfall oder der Ersetzung durch Neubauten bedroht waren. Deshalb hatte er den in Wildungen zur Kur weilenden Fotografen engagiert.

Der Marktplatz, der auch im Jahr 2010 noch das Zentrum der Fritzlarer Altstadt ist, sieht auf unserem Vergleichsfoto fast „historischer“ aus als auf dem Bild aus dem 19. Jahrhundert. Damals waren die Fassaden der Häuser verputzt, um Wind und Wetter dauerhaft zu trotzen. Der Brunnen war eine simple Holzkonstruktion mit einer Kurbelwinde für den Wassereimer. Das Dach verhinderte, dass Laub und die Hinterlassenschaften der Vögel in das Trinkwasser fallen konnten.

Der Häuserbestand rings um den Marktplatz ist bis heute fast gleich geblieben. Die Fassaden zeigen jetzt allerdings ihr prächtiges Fachwerk. Das Haus links am Bildrand hat heute große, portalartige Fenster im Erdgeschoss und beherbergt eine Filiale der Kreissparkasse.

Der ursprüngliche Brunnen verlor seinen Zweck mit dem Bau einer Wasserleitung. Ende der 1980er-Jahre wurde er rekonstruiert. Statt des Daches erhielt er ein Metallgitter.

Das Haus rechts auf dem alten Bild brannte 1905 ab und wurde durch ein Fachwerkhaus im historistischen Stil ersetzt und war lange das Domizil vom Hotel Nägel.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

Kommentare