Rückbau zum Original ist geplant

78 Jahre nach Zerstörung: Erster Gottesdienst in der Felsberger Synagoge

Vor dem Toraschrein: Christopher und Anette Sarai Willing, die den ersten Gottesdienst seit 1938 hielt. Die Gottesdienste finden vorerst in einem Nebenraum der ehemaligen Gaststätte statt, in der einst auch der Spielmannszug übte. Foto: Schaake

Felsberg. Es war ein Tag der Freude für die 30 Mitglieder der jüdische liberalen Gemeinde Emet we Shalom - Wahrheit und Frieden - Region Kassel.

Die ehemalige Synagoge an der Ritterstraße in der Felsberger Altstadt ist wieder Gotteshaus. Zur Eröffnung hatten die Gemeinde und der Verein zur Rettung der Synagoge zu einem Freitagabend-Gottesdienst, einem Kabalat Schabat, eingeladen. Nach fast 78 Jahren wurde in dem Gebäude erstmals wieder ein Gottesdienst gefeiert.

Die Nationalsozialisten hatten das Innere des Synagoge am 8. November 1938 zerstört und das Inventar zur Wintersonnenwende auf der Burgwiese verbrannt.

Bis 2013 wurde das Haus als Gaststätte genutzt, einige Räume sind nun renoviert, die Grundsanierung steht aber noch aus. Die Stadt Felsberg hatte das Gebäude im Frühjahr gekauft, der Trägerverein des Synagogue-Center-Felsberg will dort das Judentum erlebbar machen. Das Gebäude soll originalgetreu saniert werden, um Tagungen, Workshops und Seminare aus allen Bereichen des Judentums anbieten zu können.

Der erste öffentliche Gottesdienst nach fast 78 Jahren sei etwas ganz Besonders, sagte Christopher Willing, Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge und der jüdischen liberalen Gemeinde.

Zur Eröffnung erklang das Lied „Wie schön ist es, wenn Geschwister zusammen sind“. Das passe gut zu der bunten Mischung aus Juden und Christen, die zum gemeinsamen Gebet gekommen waren, sagte Annette Sarai Willing.

Sie gestaltete die Zusammenkunft, in dem von Lob, Dank und Frieden die Rede war. Schließlich wurde die Synagoge schon vor dem Krieg zerstört. Nach dem Krieg war sie im Privateigentum.

Die neue Nutzung als Gotteshaus sei mit vielen Unterstützern möglich geworden, sagte Christopher Willing. Es sei ein historischer Tag. Noch vor ein paar Jahren habe dies niemand für möglich gehalten. Willing dankte allen Unterstützern, ohne die man bisher nicht so weit gekommen wäre. Ab jetzt habe man wieder ein Stück mehr Ordnung in Felsberg, „denn der Tempel ist wieder der Tempel und nicht die Pizzeria“. Der Begriff Tempel sei etabliert in Felsberg, sagte Willing. Das frühere Gasthaus zur Burg und danach die Burgschänke wurde von den Felsbergern immer nur „der Tempel“ genannt. Mit der Begegnungs-Synagoge möchten Gemeinde und Verein Verständnis für den Anderen in die Welt bringen. Nur Toleranz könne zur Akzeptanz werden. „Ich bin sehr froh, dass die Synagoge ihrer alten Bestimmung übergeben wurde und die jüdische Gemeinde wieder ihr altes und eigenes Gotteshaus hat“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach.

Quelle: HNA

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