Erste Kinderbetreuung in Flüchtlingsunterkunft im Kreis Kassel

Neuer Spielraum: Die Ehrenemtlichen Kathrin Schacht (von links), Heiko Weiershäuser, Katharina Öhl, Andrea Herbst und Vizelandrätin Susanne Selbert mit Flüchtlingskindern im neuen Spielraum. Foto:  Renner

Gasterfeld. Etwa 170 minderjährige Flüchtlinge leben derzeit in der Pommernanlage in Gasterfeld. Viele von ihnen sind schulpflichtig, 32 jedoch sind im Kindergartenalter. Für sie soll es nun den kreisweit ersten Flüchtlings-Kindergarten geben.

Bislang gibt es an zwei Nachmittagen pro Woche ein Angebot durch Ehrenamtliche. Das soll ausgebaut und gegebenenfalls auch durch hauptamtliche Betreuer aufgestockt werden, kündigt Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) an.

Bereits seit gut zwei Jahren bietet der Wolfhager Verein Fairändern jeden Freitag zwischen 15 und 17 Uhr eine Kinderbetreuung in der Gemeinschaftsunterkunft an, vor anderthalb Jahren kam Klaus Albrecht aus Naumburg mit einem Malkurs am Dienstagnachmittag hinzu. Doch das reiche nicht. „Der Bedarf an Kinderbetreuung ist viel größer“, sagt Albrecht. Schließlich werde in diesem Alter auch der Grundstein für die Schule gelegt.

Deshalb, so Susanne Selbert, werden die Betreuungszeiten jetzt ausgeweitet. Ehrenamtliche, die bereits Erfahrung mit der Erziehung von Kindern haben, sollten sich melden, wenn sie aushelfen wollen, sagt Selbert. Sollten sich nicht genügend Ehrenamtliche finden, „würden wir gegebenenfalls auch Personen zusteuern“, sagt die Vizelandrätin.

Bisher war ein großer Spielraum in Haus 14 der Pommernanlage untergebracht, doch es habe kaum Spielsachen gegeben, sagt Kathrin Schacht. Sie arbeitet beim Landkreis Kassel in der Wohnraumbetreuung für Flüchtlinge und kümmert sich in ihrer Freizeit mit dem Verein Fair-ändern um die Kinderbetreuung in der Pommernanlage. Eine große deutsche Versicherung, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat den Ausbau eines neuen Spielraums in Haus sieben unterstützt. 5000 Euro standen so für die Einrichtung zur Verfügung.

Um Sozialpreis beworben

Bunte Matten liegen auf dem Boden, darauf verteilt Kuscheltiere, Bauklötze, Spielzeugautos und Bilderbücher, in einer Ecke des Raums gibt es ein Bällebad, außerdem mehrere kleine Tische für den Malkurs. Für die Flüchtlingskinder ist der etwa 70 Quadratmeter große Raum, der jetzt in Haus sieben der Pommernanlage eingerichtet wurde, ein wahres Paradies.

Die Frauen der Kleiderkammer sortierten bis vor einigen Monaten die Bekleidung in dem Raum, dann wurde umstrukturiert: Der Spielraum in Haus 14 wurde geschlossen und in Haus sieben eingerichtet - allerdings gab es damals noch kaum Spielsachen. „Bei einer großen deutschen Versicherung haben wir uns um den Sozialpreis beworben“, berichtet Kathrin Schacht, die sich beim Verein Fairändern für die Kinderbetreuung engagiert. Die Wolfhager gewannen und bekamen 5000 Euro, die sie für die Ausstattung der Spielstätte nutzten.

Jeden Freitagnachmittag spielen nun engagierte Mitglieder des Vereins Fairändern mit den Kindern dort, bis zu 25 Mädchen und Jungs sind dabei. Aber nicht nur freies Spielen steht dabei auf dem Programm. „Wir basteln mit den Kindern, machen Kinderschminken und haben auch gemeinsam Karneval gefeiert“, sagt Katharina Öhl.

Nebenbei werden auch wichtige Regeln gelernt. Schon jetzt wissen die Kleinen beispielsweise, dass sie die Schuhe ausziehen müssen, bevor sie auf den neuen Matten spielen. Vier bis fünf Ehrenamtliche sind als Betreuer eingebunden. Unterstützt werden sie manches Mal von Übersetzern, „doch die Kinder lernen schnell deutsch“, sagt Kathrin Schacht. Mit Klaus Albrecht und Andrea Herbst wird jeden Dienstag gemalt. Zwischen zweieinhalb und zwölf Jahren alt sind die Kinder, die daran teilnehmen.

An den anderen Wochentagen ist der Raum derzeit noch geschlossen, ohne Aufsicht dürfen die Kids nicht dort spielen. Doch das soll sich in den nächsten Wochen ändern, kündigt Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) an. Der Bedarf an Betreuung ist groß, deshalb soll das Angebot deutlich ausgeweitet werden.

Einbringen könnten sich dann auch die Sportcoaches, die zwischen Flüchtlingen und den Wolfhager Vereinen vermitteln. Ein regelmäßiges Sportangebot, das die Kinder an Vormittag nutzen könnten, sei denkbar, sagt Organisator Heiko Weiershäuser.

Die Kinder aus der Pommernanlage in regulären Kindergärten unterzubringen sei nicht so leicht, sagt Selbert. „Kaum haben sie sich eingewöhnt, schon könnte es sein, dass die Familie umzieht und sie wieder gehen müssen.“

Ansprechpartner beim Kreis 

Frauen und Männer, die Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben, und die sich gern ehrenamtlich für die Kinderbetreuung in der Pommernanlage in Gasterfeld einsetzen möchten, melden sich beim Landkreis Kassel. Ansprechpartner ist Wolfgang Engelmohr, Telefon 0561/ 1003-1183 oder Mail: wolfgang-engelmohr@landkreiskassel.de.

Quelle: HNA

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