Das Erzählen von wundersamen Begebenheiten gilt als immaterielles Kulturerbe

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Vor dem Märchenhaus in Neukirchen: Regelmäßig begrüßen Gudrun und Hans-Willi Grünberg Kinder- und Erwachsenengruppen.

Märchen beflügeln die Fantasie, transportieren Botschaften und regen nicht selten zum Nachdenken an - jetzt ist das Märchenerzählen als eine von 34 Kulturformen neu ins deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Das teilte die Deutsche Unesco-Kommission mit.

Auch in Schwalm und Knüll hat das Märchenerzählen eine lange Tradition: Gudrun Grünberg aus Weißenborn ist seit zweieinhalb Jahrzehnten als Märchenerzählerin unterwegs. Ihr Ziel: „Mir ist die Sprachschulung und eine Erweiterung des Sprachschatzes wichtig“, erklärt die Pädagogin. Märchen seien zudem als Anregung zur Kreativität und zur Seelenbildung zu sehen.

Auch Aspekte wie Wertevermittlung und Stärkung der Lernfähigkeit spielten eine große Rolle. Nach eigenen Angaben lauschten bisher mehr als 200 000 Menschen Grünbergs Erzählungen. Nicht nur im Fernsehen trat die Weißenbornerin auf. Auch organisierte sie Märchenlaienspiele. Ihre Erzählstuben hat sie sich in zwei Märchenhäusern eingerichtet.

In Neukirchen öffneten Grünbergs 2001 ein Märchenhaus, in Alsfeld 2005. Darin finden sich Märchenexponate aus der eigenen umfangreichen Sammlung. Daneben ist Gudrun Grünberg eine gefragte Interviewpartnerin. Zuletzt arbeitete sie zwei Jahre lang intensiv mit Wissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Marburg zusammen. Dorothea Hemme verfasste eine Doktorarbeit über die Märchenaktivitäten und die Tourismusentwicklung in der Schwalmregion, an der Deutschen Märchenstraße und im Märchenhaus Neukirchen; Prof. Harm-Peter Zimmermann verfasste für die Volks- und Kulturforschung über die Brüder Grimm „Betrachtungen des Tourismusmarketings im Rotkäppchenland“ und bezog dabei das Märchenhaus Alsfeld und Grünbergs „kreativen Umgang mit Märchen“ ein.

„Ich freue mich, dass ein Kulurgut der Region nun auch weltweit öffentliche Anerkennung findet“, sagt Gudrun Grünberg.

Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig verändert werden.

Quelle: HNA

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