Milde Winter und mehr Mäuse: Die Eule mit dem Schleier gibt es wieder häufiger

Von Eulen und Menschen

Wieder häufiger zu sehen: die Schleiereule. Foto: Stefan Stübing

Schwalm. Die Schleiereule ist ein wunderschöner, ganz zart gezeichneter und gleichzeitig merkwürdiger Vogel. Ursprünglich stammt sie aus dem wintermilden Mittelmeerraum, wo sie nie das Anlegen einer Fettschicht als Vorrat für schlechte Zeiten entwickeln musste.

Gleichzeitig ist sie aufgrund ihrer Herkunft ein Standvogel, denn auch ein Zugverhalten musste sie dort nie „erlernen“. Das im Winter frostige und schneereiche Mitteleuropa konnte diese Eule daher nur besiedeln, in dem sie sich wie kaum ein anderer Vogel vollkommen dem Menschen angeschlossen hat. Nur in Scheunen und Kirchtürmen oder alten Gebäuden kann sie auch im Winter bei hoher Schneelage erfolgreich ihrer Hauptnahrung, den heimischen Mäusearten, nachstellen. Gleichzeitig stellen diese Gebäude ideale Brutplätze dar, besiedelte die Eule ursprünglich doch vor allem größere Felshöhlen.

Den Anschluss an den Menschen mit seinen Gebäuden haben allerdings unzählige Schleiereulen dennoch mit dem Leben bezahlt - in früheren Zeiten war es üblich, zur Abwehr von bösem Zauber eine Eule oder anderes „nächtliches Gesindel“ an das Scheunentor zu nageln, was vor allem die geisterhaft helle und unheimlich kreischende Schleiereule in den Scheunen traf.

Heute hat der eindrucksvolle Vogel mit dem zarten, herzförmigen Gesichtsschleier ganz andere Schwierigkeiten. Mäuse als Nahrung sind im Vergleich der vergangenen Jahrzehnte sehr viel seltener geworden und auch Scheunen, in denen noch ein „Eulenloch“ oder zumindest eine offene Luke zu finden ist, sind Mangelware. So kommen in harten Wintern aus Nahrungsmangel bis zu 90 Prozent der Tiere um.

In schlechten „Mäusejahren“ brüten viele der Eulen zudem gar nicht, während sie bei großem Nahrungsangebot sogar zwei Bruten mit bis zu 19 Jungvögel aufzuziehen. Die letzten guten Mäusejahre waren 2005 und 2007, als einzelne Schleiereulen sogar noch in den Herbstmonaten brüteten und die spätesten Jungen erst um Weihnachten ausflogen. Seither haben geringe Mäusedichten und die beiden kalten Winter 2009/10 und 2011/12 zum wohl geringsten Bestand der Art seit den 1980er Jahren geführt. Die vergangenen beiden milden Winter und die etwas bessere Mäusesituation haben aber vor allem in diesem Jahr eine deutliche Zunahme gebracht. Dies führt dazu, dass der fauchend-zischender Balzruf und das schnarchende Betteln der hungrigen Jungvögel nun wieder häufiger zu hören sind.

Von Stefan Stübing und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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