Frau muss für drei Jahre ins Gefängnis

Ex-Buchhalterin eines Autohauses veruntreut 270.000 Euro

Aufs eigene Konto abgezweigt: Die Wolfhagerin veruntreute 270 000 Euro. Archivfoto: nh

Wolfhagen/Kassel. Wie ein Häufchen Elend sitzt die kleine Frau in der Anklagebank, den Kopf zwischen die Schultern geschoben, die Augen von Tränen gerötet - ein Bild tiefer Reue.

Das rührte alle Prozessbeteiligten vor dem Kasseler Amtsgericht, änderte freilich nichts daran, dass die bis dahin völlig unbescholtene Ex-Buchhalterin eines großen Autohauses in Wolfhagen für drei Jahre ins Gefängnis muss.

„Zu gerissen, zu lang und zu viel“, fasste Richter Kleinherne die Gründe zusammen, warum die von Verteidiger Markus Sittig gewünschte Bewährungsstrafe nicht möglich sei.

Immerhin hatte die Frau innerhalb von nur dreieinhalb Jahren 270.000 Euro ihres Arbeitgebers aufs eigene Konto umgeleitet.

Das ging offenbar nur allzu leicht, denn ein Vier-Augen-Prinzip gab es in dem Autohaus, das seinen Mitarbeitern offenbar ein Riesenvertrauen entgegenbringt, im April 2010 nicht. Nur zwei Monate, nachdem sie als stellvertretende Leiterin der Buchhaltung eingestellt worden war, schaufelte sich die Bürokauffrau 11.500 Euro aufs eigene Kreditkarten-Konto. Die Familie befand sich wegen der Erkrankung des Ehemanns in einer finanziellen Notlage, obwohl die Frau selbst 2200 Euro netto im Monat verdiente.

Der Coup blieb unentdeckt und vier Monate später legte die Angeklagte richtig los. Geschickt verschleierte sie fünfstellige Summen, die sie für sich abzweigte, in Kleinbeträgen und auf verschiedenen Firmenkonten. Später vernichtete sie die Provisionsbelege der Autolieferanten und vereinnahmte bis zu jeweils 15.000 Euro für sich.

„Sie war einfach eine gute Buchhalterin“, sagte die damalige Chefin der Angeklagten gestern als Zeugin aus. Und ein ebenfalls als Zeuge geladenes Mitglied der Geschäftsleitung sagte aus, das Fehlen des Geldes wäre wohl erst in zehn Jahren entdeckt worden. Eine ständige Kontrolle aller Buchungen sei unwirtschaftlich.

Heraus kam die Geschichte, weil die Targo-Bank wegen der hohen Geldsummen, die ständig auf dem Konto der Frau eingingen, Kripo und Finanzamt wegen Geldwäscheverdachtes informierte.

Staatsanwältin Sabrina Meier staunte in ihrem Plädoyer, dass eine unbescholtene Frau eine solche Serie hinlegt und dann das ganze Geld auf den Kopf haut für absolut überflüssige Luxusartikel und Reisen. Allerdings habe es ihr der Arbeitgeber wegen fehlender Kontrollen auch sehr einfach gemacht. Strafverschärfend sei, dass die Frau nach der Aufdeckung durch die Targo-Bank noch über zwei Jahre munter weitergemacht und immer höhere Summen gewerbsmäßig veruntreut habe.

8000 Euro hat die Frau inzwischen zurückgezahlt. Sie hat eingewilligt, bis an ihr Lebensende weiter zu zahlen. Bei einer Kasseler Zeitarbeitsfirma verdient sie derzeit als Hilfskraft 1100 Euro.

Bei ihrem früheren Chef, der gestern ebenfalls als Zeuge aussagte, hat sich die 38-Jährige unter Tränen entschuldigt. Der Chef nahm die Entschuldigung an, helfen konnte er der Frau aber auch nicht.

Quelle: HNA

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