Ex-Bundesligaprofi: Schwälmer spielte in den Siebzigern für den 1.FC-Kaiserslautern

Schrecksbach. Dass sie gerade ein ehemaliger Bundesliga-Spieler bedient hat, wissen wohl die wenigsten Kunden der Tankstelle am Schrecksbacher Ortseingang. Kein Pokal, kein Trikot und nicht einmal ein altes Mannschaftsbild an der Wand:

Nichts lässt erahnen, dass es sich hier um den Betrieb des erfolgreichsten Fußballers handelt, den die Schwalm bislang hervorgebracht hat: Hans-Dieter „Tango“ Diehl scheint das ganz recht zu sein.

Zu bescheiden ist der 59-Jährige, um sich mit den Federn vergangener Tage zu schmücken. Dabei können die sich in seinem Fall sehen lassen: Bis in die höchste deutsche Spielklasse hat es der gebürtige Schrecksbacher gebracht, in der Saison 1975/76 absolvierte er neun Partien für den 1. FC Kaiserslautern.

Trauer im Parkstadion

Eine davon haben vor allem die zahlreichen Schalke-Fans aus der Schwalm in schlechter Erinnerung: Viele von ihnen hatten sich am Nikolaustag 1975 auf den Weg gemacht ins Gelsenkirchener Parkstadion, in der Hoffnung auf einen Heimsieg gegen die Pfälzer. Bis zur 87. Minute lag Schalke mit 2:1 in Führung.

„Dann gab es Eckball für uns, der Ball springt zu mir. Ich ziehe aus zehn, vielleicht zwölf Metern ab, die Kugel wird noch leicht abgefälscht - und geht genau in den Winkel zum 2:2“, schildert Diehl. Seine Augen leuchten, wenn er sich an die Höhepunkte seiner Laufbahn erinnert. Wie das DFB-Pokalfinale 1976 in Frankfurt, bei dem der Abwehrmann im Kader der Pfälzer stand. Von der Niederlage gegen den Hamburger SV vor mehr als 60 000 Zuschauern ließen sich Diehl und Co. ihre gute Laune seinerzeit nicht nehmen. Beim anschließenden Festbankett wurde ordentlich getanzt und gefeiert, zu später Stunde fiel sogar der spätere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder - unter leichter Mithilfe der Lauterer Spieler - in den Hotel-Pool.

Aus Tanko wurde Tango

Den Tanz-Einlagen nach dem Finale hat Diehl seinen Spitznamen „Tango“ freilich nicht zu verdanken. „Nein, den hatte ich schon vorher in Schrecksbach“, schmunzelt Diehl. Ursprünglich war der Auto-Narr dort der Mann von der Tankstelle - aus Tanko wurde im Laufe der Jahre dann Tango. Regelmäßig besuchte er auch als Bundesligaprofi die Schwalm, was sein damaliger Trainer Erich Ribbeck mit der Zeit nicht mehr duldete. Spätestens nach einem Jahr kühlte die Beziehung zwischen dem späteren Nationaltrainer und dem Jungprofi merklich ab, so dass dieser im September 1976 den Betzenberg verließ.

Baunatal, Marburg und Ziegenhain hießen Diehls weitere Stationen, bis er endgültig den Weg zurück zum VfB Schrecksbach fand. „Tango ist immer wieder zurückgekommen“, betont Andreas Schultheis. „Sehr stolz“, mache es den VfB-Vorstand, „wenn Leute aus Schrecksbach den Sprung nach oben schaffen“.

Gonther auf Diehls Spuren

Auf den Spuren Diehls ist mit dem Schrecksbacher Sören Gonther derzeit ein Spieler, der das Fußballspielen ebenfalls im Metzenbergstadion lernte und, wie es der Zufall will, der direkte Nachbar Diehls ist.

„Ich habe das Gefühl, dass er es in die erste Liga packen kann“, sagt der ehemalige Erstligaspieler über den aktuellen Zweitligaspieler in Diensten des SC Paderborn.

Quelle: HNA

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