Dritter Psychiatrietag in Ziegenhain

Ex-Fußballprofi Uli Borowka sprach über Sucht

Offen und ehrlich: Der ehemalige Fußballprofi Uli Borowka (51) beim Psychiatrietag in Ziegenhain. Fotos:  Rose

Schwalmstadt - „Sucht - das ist nicht mein Bier“: Unter diesem Titel stand am Samstag der dritte Psychiatrietag im Schwalm-Eder-Kreis. Dazu hatte die Suchtberatungsstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes nach Ziegenhain eingeladen.

Das Angebot richtete sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Interessierte und Angehörige.

Den ganzen Tag über lenkten Experten den Blick auf das, was hinter einer Sucht steckt. Und darauf, dass Sucht als Krankheit verstanden wird, die jeden treffen kann. Auch der Ex-Fußballprofi Uli Borowka hat dies lernen müssen: Noch in seiner aktiven Zeit als Spieler beim SV Werder Bremen war Borowka alkoholabhängig. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben, aus dem er las. Und er beantwortete offen viele Fragen zum Thema Alkohol.

Mitte der neunziger Jahre ist Borowka auf dem Gipfel seiner sportlichen Erfolge: Bekannt als die Axt, als Eisenfuß, macht dem Profi so schnell keiner was vor. Freunde, die Familie, auch der Trainer, haben längst gemerkt, dass Borowka trinkt. Exzessiv, bis zur Bewusstlosigkeit, ohne Maß. „Irgendwann ist das Haus leer. Voll bin nur ich. Und das nicht zu knapp“, beschreibt er den Absturz, den Auszug seiner damaligen Frau mit den beiden Kindern. Mit 33 ist die „Karriere im Eimer“, Werder hat ihn rausgeschmissen. Borowka sieht keinen Ausweg mehr, mischt sich einen tödlichen Cocktail aus Schlaf- und Schmerztabletten. Und Alkohol. „Damals habe ich mich gefragt, ob mich noch jemand braucht? Und ob ich mich noch brauche?“ Der Sportler überlebt: „Ich hab Glück gehabt.“

Und doch nichts gelernt. Immer wieder trinkt er bis zur Bewusstlosigkeit. „Ich hatte ja für mich kein Problem.“ Dann besorgt ihm ein Freund den Therapieplatz. „Ich dachte, hinterher kann ich kontrolliert trinken“, erzählt Borowka. „Und ich dachte, alle gehören hier hin - nur ich garantiert nicht.“ Irgendwann hört Borowka doch hin, was Ärzte und Therapeuten sagen. Und geht doch seinen eigenen Weg: „Ich war nach der Klinik nie in einer Suchtgruppe. Nach zwei Wochen hab ich bei meinen Eltern in deren Kneipe hinterm Tresen gestanden und beim Zapfen geholfen - und nichts getrunken.“ Fast 14 Jahre ist das jetzt her. Seitdem ist Borowka trocken. Was ihm geholfen hat? „Erkennen, dass ich dafür verantwortlich bin“, sagt er. Und: „Wille und Ehrgeiz. In Sachen Alkohol gibts für mich nur schwarz oder weiß - nichts dazwischen.“

Vieles ging den Bach runter. Die Ehe, das Geld, auch das Ansehen. „Du wirst als Süchtiger wie Abschaum behandelt.“ Nach der Therapie hat er sich als Jugendtrainer beworben - ohne Erfolg. „Aber ich habe Lebensqualität zurück gewonnen“, sagt der Ex-Fußballprofi.

Das System im Profisport sieht er kritisch. „Ich hatte Versagensängste. Mein Ventil war der Alkohol. Doch wenn die Leistung stimmte, wurde über vieles hinweg gesehen.“ Borowaka ist sicher: „Wir leben in einer kranken Gesellschaft.“ Er selbst kenne viele Fälle im Hochleistungssport. Vom DFB gebe es keine Unterstützung. „Für die gibt es keine suchtkranken Profis.“

Wenn Borowka heute den Gedanken an Alkohol bemerkt, „dann denk ich ihn nicht zu Ende“, verlässt die Situation. „Du bleibst gefährdet - dein ganzes Leben lang."

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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