Wie Ehrenamtslotsen Menschen zu gesellschaftlichem Engagement bewegen wollen

Wie Ehrenamtslotsen Menschen zu Engagement bewegen wollen

Will den Menschen den Weg ins Engagement weisen: Der Melsunger Reinhard Knuth ist einer von 41 Ehrenamtslotsen im Kreis. Foto: Schleichert

Schwalm-Eder. Als der Pfarrer ihm die entscheidende Frage stellte, musste Reinhard Knuth eine Weile nachdenken. Dann sagte er Ja. Vierzig Jahre saß der Melsunger im Kirchenvorstand, er hielt Gottesdienste, wenn der Pfarrer verreist war und schrubbte, wenn nötig, den Boden der Gotteshäuser.

Nun hat der 63-Jährige eine neue Herausforderung gefunden: Er will andere Menschen dazu bringen, Ja zu sagen. Ab Ende August wirbt er für den Einsatz in Vereinen, Organisationen und Einrichtungen. Reinhard Knuth ist Engagement-Lotse. „Es ist ein Experiment“, sagt er.

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Im Schwalm-Eder-Kreis leben 41 jener Lotsen, die das Land Hessen und die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen jetzt ausgebildet hat. Sie sollen dort aktiv werden, wo es am nächsten liegt: in ihren Städten und Gemeinden. Wie sie Ehrenämter an die Frau und den Mann bringen, überlässt das Land den Lotsen.

Rentner, Studenten und Angestellte haben zusammen mit Reinhard Knuth im Seminar gesessen – sieben Tage lang. Ein Referent hat Blätter mit Statistiken verteilt: Wer Ehrenamtlicher wird, ist im Durchschnitt 20 Jahre alt. Männer engagieren sich stärker als Frauen. Jeder dritte Deutsche interessiert sich für ein Ehrenamt. Da hat der Melsunger aufgehorcht. „Jeder Dritte würde sich gern engagieren“, wiederholt Reinhard Knuth, „weiß aber nicht, was er will.“

Der Engagement-Lotse will genau das herausfinden. Das Frage-Antwort-Spiel, das sie im Seminar geprobt haben, kennt er auswendig: „Wo liegen Ihre Interessen?“, fragt Reinhard Knuth. Ein Achselzucken kalkuliert der 63-Jährige ein. „Welche Hobbies haben Sie?“, fährt er fort, „Wofür begeistern sie sich?“ Dann hört er zu, überlegt und sagt: „Der Töpferverein wäre was für Sie.“

Die Engagement-Lotsen aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben gerade erst ihre Zertifikate bekommen, und doch tut sich schon etwas in ihren Einsatzorten: In Homberg zum Beispiel koordinieren die Lotsen den Einsatz Ehrenamtlicher für die Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes, in Felsberg gestaltet eine Gruppe inzwischen ein Schwimmbadfest mit.

Im Melsunger Rathaus soll bald eine Freiwilligenagentur eröffnen. Dort sollen dann Suchende, Vereine und Freiwillige zueinander finden können. Reinhard Knuth und zwei andere Lotsinnen wollen die Mitarbeiter der Stadt dabei unterstützen: „Ist doch Ehrensache“.

Quelle: HNA

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