In der JVA Schwalmstadt erlernen Häftlinge den Beruf des Fahrradmonteurs

Experten mit Feile und Säge

Fahrräder zerlegen und wieder zusammenbauen: Häftling Kristian Gerke (links) begann jetzt seine Ausbildung zum Fahrradmonteur bei Werkstattleiter Jörg Ried. Foto: Schorn

Ziegenhain. Ob Koch, Metallbauer, Karosserie- und Fahrzeugbauer sowie Zimmerer – in all diesen Berufen können die Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt (JVA) einen Facharbeiter- und Gesellenbrief erwerben. Jetzt wird dort auch die Ausbildung zum Fahrradmonteur ermöglicht.

„In der extra neu eingerichteten Fahrradwerkstatt wurden 16 Ausbildungsplätze zum Fahrrad-Monteur geschaffen“, sagte Wilfried Porada, Leiter der Vollzugsabteilung Förderstation in der JVA.

Damit verfügt das Gefängnis nun über 64 Plätze für eine Berufsausbildung. „In Nordhessen dürfte es wohl nur wenige andere Betriebe geben, die so viele Ausbildungsplätze haben“, erklärte Porada

18-monatige Ausbildung

Zunächst zehn Häftlinge aus den Gefängnissen Ziegenhain, Kassel I, Hünfeld, Diez und Saarbrücken beginnen dort ihre 18-monatige Ausbildung unter Anleitung ihres Lehrmeisters Jörg Ried, der gleichzeitig auch Justizvollzugbeamte im Gefängnis ist.

Im kommenden Jahr sollen dann alle 16 Plätze in der Fahrradwerkstatt besetzt sein. „Sie erfreut sich einer großer Resonanz in Gefängnissen auch über Hessen hinaus“, sagte Wilfried Porada. „Wir waren überrascht, wie gut unser Angebot nachgefragt wird.“

Getragen wird diese Lehrwerkstadt von dem Berufsbildungswerk Dr. Fritz Bauer, den theoretischen Teil der Ausbildung übernehmen Lehrer der Beruflichen Schulen Schwalmstadt. „Bislang hat das Projekt etwa 85 000 Euro gekostet, davon 40 000 Euro allein für Umbauten in der JVA“, rechnete Porada vor.

„Es müssen aber noch zukünftig noch einige zehntausend Euro in die Ausstattung der Werkstatt investiert werden.“

Reparatur nur intern

Bislang können Schwalmstädter dort noch nicht ihre Fahrräder reparieren lassen. „Allerdings streben wir dies an“, erklärte Porada. Der Leiter der Fahrradwerkstatt, Jörg Ried, freut sich indes schon über sein „super Team“. „Zunächst lernen die Häftlinge Grundtechniken wie feilen und sägen“, sagte Ried.

Später kommen auch anspruchsvollere Tätigkeiten dazu, wie ein Fahrrad einzuspeichen. Dafür müssen auch die verschiedenen physikalischen Kräfte beachtet werden. Jörg Ried ist überzeugt: „Auch wenn es leicht erscheint, ist es ein sehr kompliziertes Berufsbild.“

Von Michael Schorn

Quelle: HNA

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