Kasselerin ist der schweren Brandstiftung in Guxhagender Ortsteil angeklagt

Prozessauftakt: Kasselerin soll Fachwerkhaus in Flammen gesetzt haben

Albshausen/Kassel. Es brannte lichterloh im September 2009 - das Feuer machte ein Fachwerkhaus in einem Guxhagener Ortsteil unbewohnbar. Wie es zu dem Brand kam, wird seit Dienstag vor dem Kasseler Landgericht verhandelt. Eine 28-Jährige aus Kassel ist der schweren Brandstiftung angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der jungen Frau vor, das Feuer nach einem Streit mit ihrem damaligen Lebensgefährten gelegt zu haben - und zwar gleich an zwei Stellen: Im Treppenhaus und in einem Hobbyraum.

Der Mann ist Miteigentümer des Hauses. Die 28-Jährige hatte dort zeitweilig gewohnt. Zur Tatzeit könnte sie bis zu 1,84 Promille Alkohol im Blut gehabt haben, heißt es in der Anklage.

Was die Frau dem Gericht schildert, ist ein wüster Mix aus Alkohol und Beziehungskonflikten. Schon am Morgen hätten ihr Freund und sie getrunken: „Dann war der Stress schon programmiert“, sagt sie. Der Lebensgefährte wollte offenbar, dass sie auszieht. Eine Nachbarin berichtet als Zeugin, es habe bei den beiden „immer Theater“ gegeben.

Was die Angeklagte zur Brandstiftung erklärt, nennt Richter Jürgen Stanoschek später „Geständnis light“: Sie habe sich mit dem Freund im Eingangsbereich des Hauses befunden. Dort hätten gelbe Säcke gestanden. An einen habe sie ein Feuerzeug gehalten und angedeutet, wenn er „kein Bock mehr“ auf sein Haus habe, könne sie es anzünden. Dann sei sie gegangen. Sie habe Bier kaufen wollen, sagt die Frau. Sie sei aber nach kurzer Zeit umgekehrt und habe das Innere des Hauses in Flammen vorgefunden. Der Richter hakt nach: Auch im Hobbyraum solle es gebrannt haben? „Aber nicht durch mich“, beteuert die Frau. „Das würde ich auch unter Eid aussagen.“

Dass der Freund sie vor der Eskalation geschlagen hatte, will die 28-Jährige im Gerichtssaal nicht bestätigen. In der Brandnacht hatte ein Polizist sie mit geschwollener Nase angetroffen. Die Verletzung passe zu einem Schlag ins Gesicht, sagte der Beamte als Zeuge.

Auch der frühere Lebensgefährte muss aussagen. In der fraglichen Nacht hatte er mehrfach die Polizei in Melsungen angerufen. Zunächst sollte die Staatsgewalt seine Freundin zum Verlassen des Hauses bewegen.

Zum letzten Anruf vermerkt das Polizeiprotokoll die Worte: „Meine Freundin hat gerade mein Haus angesteckt.“ Vor Gericht nun sagt der Mann nichts Konkretes zur Entstehung des Brandes. Zu Schlägen in der Beziehung will er keine Angaben machen.

Die junge Frau ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Schon in der Brandnacht stand sie unter gesetzlicher Betreuung. Der Gerichtsbeschluss dafür bescheinigt ihr eine Borderline-Störung - eine psychische Krankheit, die mit extremen Gefühlsschwankungen einhergeht. Der Prozess wird am 1. Dezember fortgesetzt. (kaj)

Quelle: HNA

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