Gerd-Ulrich Galesky geht nach 22 Jahren als Leiter des Scherzmarktes in Ruhestand

Die Fäden in seiner Hand

Alte Bekannte: Marktleiter Scherzmarkt Gerd-Ulrich Galesky (rechts) begrüßt Paul Plonka und dessen Tochter am Sockenstand. Die beiden Männer kennen sich seit Jahrzehnten, seit 1972 stellt der Händler bereits seinen Stand auf dem Scherzmarkt auf. Foto: Schittelkopp

Schwalmstadt. Sein Markenzeichen ist der hellgraue Mantel. Den besitzt Gerd-Ulrich Galesky seit 25 Jahren. Bei Galesky laufen alle Fäden zusammen, seit 1990 ist er Marktleiter. In diesem Jahr war es aber sein letzter Scherzmarkt: Der 64-Jährige geht im März in den Ruhestand.

„Ich mache heute meine Arbeit wie immer“, sagte Galesky. Das heißt für den Marktleiter um 5.30 Uhr geht es los, dann bauen die erste Händler ihre Stände auf und Nachrücker warten, ob nicht noch ein Platz frei geworden ist. „Aber man kann nicht alles zustellen“, erklärt der Marktleiter. Auf einem großen Plan hat er ganz genau eingezeichnet, welcher Händler wo steht und an welchen Stellen Gassen für die Fahrzeuge freigehalten werden müssen.

Gerd-Ulrich Galesky muss viel organisieren, damit beim Scherzmarkt alles rund läuft. „Das habe ich oft nach Dienstschluss gemacht“, erzählte er. 1972 fing er bei der Stadt im Ordnungsamt an, wurde stellvertretender Marktleiter und übernahm die Funktion dann vor 22 Jahren.

Der Scherzmarkt liegt ihm am Herzen. So verfasste der Dittershäuser vor zwölf Jahren eine kleine Chronik über den Scherzmarkt. Zum Einkaufen kommt er während des Markttages allerdings nicht, „das macht meist meine Frau.“ Am Mittag drehte der Marktleiter eine kleine Runde an den Ständen entlang: „Ich verabschiede mich von den Händlern, die ich schon seit 30 Jahren kenne.“ Gardinen, Wachstücher, alle das gehört für ihn zum Scherzmarkt: „Doch auch der Wagen mit den gebrannten Mandeln darf nicht fehlen.“

Immer weniger alte Händler

Doch der Scherzmarkt hat sich in der Zeit, in der Galesky Marktleiter war, verändert. Nach seiner Erfahrung kommen immer weniger der alten Handelsleute, doch junge rücken nicht im gleichen Maß nach. Er fürchtet, dass mit den Jahren immer weniger Kaufleute auf die Märkte kommen. Zudem kaufen die Besucher nicht mehr soviel: „In den Kaufhäusern gibt es ja alles“, sagte er. Viele kämen nur zum Flanieren und Schauen.

Sein letzter Tag als Marktleiter ist kein Acht-Stunden-Tag. Um Nachmittag geht Galesky mal kurz nach Hause und kommt 18 Uhr zum Abbau wieder zurück. „Heute Abend falle ich nur noch ins Bett“, sagte er.

Wer sein Nachfolger wird, weiß der Marktleiter nicht. So ganz kann er allerdings nicht von seiner Position lassen: „Ich habe Anmeldungen für Stände im kommenden Jahr entgegen genommen.“ Im nächsten wird Gerd-Ulrich Galesky den Scherzmarkt seit langer Zeit privat genießen können: „Solange ich in Schwalmstadt lebe, werde ich hierher kommen."

Quelle: HNA

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