Kindesmissbrauch: Gerüchteküche in Wolfhagen brodelte

Wolfhagen. Von der tatsächlichen Tragweite ahnte Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake kurz vor Pfingsten noch nichts. Er hatte davon erfahren, dass Ermittler der Kripo das Haus eines Mitarbeiters durchsucht hatten.

Und wohl auch fündig geworden waren: Von Computern mit Kinderpornos war die Rede. Der Mitarbeiter hatte sich nach der Durchsuchung erstmal Urlaub genommen, gut eine Woche nach Pfingsten war er wieder an seinem Arbeitsplatz. Allerdings nicht lange. Am 28. Mai wurde Schaake von seiner Sekretärin aus einer Sitzung gerufen. Die Kripo war im Haus. Ihr Anliegen: Sie wollte den Dienstrechner des verdächtigen Mitarbeiters abholen. Der war auf Schaakes Anweisung längst sichergestellt und gegen ein Ersatzgerät ausgetauscht worden.

„Mein Anliegen ist es, die Mitarbeiter aus der Schusslinie zu nehmen.“

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Die Polizisten unterrichteten den Bürgermeister über den Verdacht gegen den Mitarbeiter, der seit mehr als 20 Jahren im Rathaus arbeitet. Zwei PC und ein Laptop beschlagnahmten die Beamten. Und den Mitarbeiter nahmen sie auch mit.

Im Rathaus sprach sich das in Windeseile herum, aber nicht nur dort. In der Stadt sickerte der Vorfall schnell durch, die Gerüchteküche begann zu brodeln. Immer neue Namen von Rathausmitarbeitern wurden genannt und mit Kinderpornos in Verbindung gebracht.

Eine enorme Belastung für die Betroffenen. „Die Leute leiden unter dem Generalverdacht“, sagte der Bürgermeister, der seine Mitarbeiter während einer Personalversammlung über den Fall informierte, auch darüber, dass der von der Polizei mitgenommene Mitarbeiter auf Magistratsbeschluss vom Dienst suspendiert wurde. Auch von der Internetseite der Stadt wurde er gelöscht. Gegen ihn wurde zudem ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

„Mein Anliegen ist es, die Mitarbeiter aus der Schusslinie zu nehmen“, sagte Schaake gestern Nachmittag. Und der Öffentlichkeit „zu 100 Prozent zu versichern, dass gegen keinen anderen Mitarbeiter im Rathaus ermittelt wird.“

Am späten Nachmittag kam ihm die Kasseler Staatsanwaltschaft zu Hilfe und veröffentlichte Ermittlungsergebnisse. Man bestätigte, dass keine weiteren Rathausmitarbeiter verdächtig sind. Dann aber die schockierende Nachricht: Der in Untersuchungshaft sitzende Mitarbeiter, erfuhr man im Rathaus, stehe nicht nur im Verdacht, kinderpornografische Bild- und Videodateien besessen und verbreitet zu haben, sondern auch ab dem Jahr 2002 sechs Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren sexuell missbraucht zu haben.

Quelle: HNA

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