Kranken und toten Bäumen an den Waldwegen geht es an den Stamm

Fällen für die Sicherheit

Pilzspuren im Holz: Azubi Melannie Herwig, Holzrücker Bernhard Klapp, Revierförster Peter Treude, Forstwirtschaftsmeister Ingolf Bock und Azubi Tim Olesch (von links) begutachten die Schnittfläche einer Eiche. Fotos:  Norbert Müller

Nothfelden/Ehringen. Fallkerb und Fällschnitt - Forstwirtschaftsmeister Ingolf Bock geht mit seiner Kettensäge virtuos um. Nur wenige Minuten, dann knarzt es sacht, Bock setzt sich rückwärts ab, bringt sich in Sicherheit, während die gut 200 Jahre alte Eiche kippt und schließlich mit Wucht auf dem Waldboden aufschlägt.

Rote Punkte

Vor zwei Tagen hat Revierförster Peter Treude mit roter Sprühfarbe deutlich sichtbare Punkte an den Stamm des Laubbaums gesetzt - das Todesurteil für die Eiche, die allerdings längst tief drin war im Siechtum. Fäulnis hatte den knorrigen Stamm befallen, deutlich sichtbar durch Konsolenpilze, die sich an der Borke in unterschiedlicher Höhe breit machten. Weil der Baum direkt an einem Waldweg stand, musste er gefällt werden, erklärt der Revierleiter. Verkehrssicherung lautet das Stichwort. Von den Bäumen am Wegesrand darf keine Gefahr ausgehen für die Waldbesucher.

Und so sind dann Ingolf Bock, zwei Auszubildende und Holzrücker Bernhard Klapp an diesem Dienstag unterwegs, Bäume, die eine Gefährdung entlang der Hauptwaldwege darstellen, zu legen. Oben an der Drehscheibe nahe dem Rödeser Berg sind am Vormittag bereits zwei Bäume gekappt worden, am Stock, an der Schnittfläche, wird deutlich, wie morsch die Stämme innen bereits waren.

„Wir können nicht bis auf den letzten Drücker warten.“

Peter Treude Revierförster

Knapp zwei Kilometer weiter im Bereich des Staatsforstes nahe Ehringen setzt Forstmeister Bock seine Säge an den Stamm einer 150 Jahre alten Buche. Die Krone in knapp 40 Metern Höhe ist völlig trocken, die Rinde im oberen Bereich bereits abgeblättert, nur unten am Stamm sieht sie noch gesund aus. „Der Baum ist mausetot“, sagt Förster Treude. „Bei solchen Bäumen können wir nicht sagen, die lassen wir stehen. Wenn dann was passiert, sind wir dran.“

Besonders gefährlich

Forstwirtschaftsmeister Bock ist hier extrem vorsichtig: „Dass er trocken ist, ist besonders gefährlich“, sagt er. „Wenn beim Fällen die Keile eingeschlagen werden, können Äste und im schlimmsten Fall die ganze Krone abbrechen.“ Es bricht nichts, die Buche kracht in den Bestand und legt eine Punktlandung hin.

Sechs Bäume werden an diesem Tag im Revier gefällt, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, die Peter Treude als „fortlaufendes Geschäft“ bezeichnet. Wann immer ein kranker, gefährdender Baum auffalle, sei man verpflichtet zu handeln. Und zwar umgehend. Förster Treude: „Wir können nicht bis auf den letzten Drücker warten.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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