Nur der Fahrtwind kühlte

HNA-Radtour: 28 Teilnehmer trotzen der großen Hitze

Melsungen. Die Räder surren, der Himmel ist blau, die Landschaft ein Traum. Es wäre alles herrlich – wenn mir nur der Hintern nicht so weh täte. Das habe ich nun von meinem dusseligen Ehrgeiz.

Ich wollte ja am Freitag unbedingt die große Runde der Radtour fahren, die die HNA mit dem ADFC organisiert hatte. Dabei hätte es die kleine Tour wirklich auch getan, merke ich in Büchenwerra.

„Sie schaffen das“, hatte mich Dr. Johannes Heyn, Vorsitzender des ADFC Schwalm-Eder beim Start in Melsungen aufgemuntert. „45 Kilometer, die kriegen Sie hin.“ Melsungens Radbeauftragter Horst Gießler und andere Teilnehmer nicken mir beruhigend zu. Ich scheine die einzige zu sein, die an ihren sportlichen Fähigkeiten zweifelt.

Gut trainiert und gut gelaunt

Thomas Jakob aus Beiseförth jedenfalls zweifelt keine Sekunde. Er ist braungebrannt und guter Dinge. Jakob kommt gerade aus dem Radurlaub im Frankenland. Und ist damit bestens trainiert.

Auch Werner Gümbel strampelt vergnügt neben mir vor sich hin. Ich keuche, er redet. „Meine Frau hat mich gefragt, ob ich einen an der Waffel hätte, dass ich heute hier mitfahre, aber ich hab gesagt, och, dem Fahrrad macht die Hitze doch nichts aus.“ Gümbel lacht über seinen Witz und düst weiter nach vorne.

Paul Barkowski schließt zu mir auf. Auch der 73-Jährige hat keine Angst, weder vor der Hitze noch vor der Strecke: Der Melsunger fährt oft schon vor dem Frühstück 14 Kilometer. „Es hat mir wirklich kein Mensch gesagt, dass ich hier mit angehenden Tour-de-France-Fahrern unterwegs bin“, denke ich bestürzt.

„Die Hälfte haben wir jetzt“, verkündet Horst Gießler kurz vor Haldorf. Erst die Hälfte! Mein Sattel fühlt sich schon jetzt wie ein Nagelbrett an. „Wenn alle Stricke reißen, halten Sie sich an mich.“ Harry Höfner meint es wörtlich. Der 59-Jährige fährt ein Pedelec. Dessen Akku unterstützt ihn. Und auch mich. Denn als es in Haldorf so steil bergauf geht, dass ich fast ein Sauerstoffgerät brauche, legt Höfner mir die Hand ins Kreuz und schiebt. Ja! So macht Radfahren Spaß!

Die Abfahrt von Haldorf ist dann wie Achterbahnfahren: rasant. Der Wind rauscht nur so in den Ohren. In Wolfershausen rumpeln wir über Feldwege zum Riesenstein. Reiner Pilgram vom Heimatverein erwartet uns, er hat Apfelsaft und Geschichten über den Felsen für uns. Ein schöner Zwischenstopp.

Die Sonne steht tief, als wir uns auf den Heimweg machen. Mein Hintern hat sich mit dem Sattel abgefunden, ich fühle mich unfassbar sportlich. „Jetzt sind Sie doch froh, dass Sie die lange Strecke geradelt sind, oder?“, fragt Harry Höfner.

Ja, das bin ich wirklich. Ich hätte sonst viel Schönes verpasst. Und über eine Teilnahme an der Tour de France nächstes Jahr sollte ich vielleicht auch mal nachdenken.

Bilder von der Radtour

Melsunger HNA-Radtour in Homberg

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto:  Brandau

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