Faire Milch: Alternative nur für einige Bauern

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Günther Koch, Teamleiter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter.

Schwalm-Eder. Die Zahl der Milchproduzenten ist im Landkreis deutlich zurück gegangen. Grund dafür sind unter anderem die Erzeugerpreise, die das Auskommen der Landwirte nicht mehr immer sichern.

2003 gab es noch 501 Bauern, die Milch lieferten, 2010 waren es laut der jüngsten Statistik, die dem Kreisbauernverband vorliegt, noch 351.  Derzeit erhalten die Bauern 27 bis 32 Cent pro Liter Milch. 2008 waren es sogar nur 20 Cent gewesen.

Viele Landwirte aus dem Landkreis protestierten damals, unter anderem, indem sie Milch vernichteten. Seit 2009 gibt es zumindest für einige Milcherzeuger eine Nische, die unter anderem bessere Preise sichert: die Faire Milch, erkennbar an der schwarz-rot-goldenen Kuh („Faironika“) auf der Verpackungen. Für jeden Liter Milch, der so vermarktet wird, erhalten die Bauern 40 Cent.

Mit diesem Erzeugerpreis könne man leben, sagt Günther Koch, Teamleiter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) für den Landkreis. Der 54-jährige Bauer aus Homberg stand 2008 an der Spitze des Protests. Die Faire Milch sei bei den Verbrauchern sehr gut angekommen. Aber die Entwicklung ist dennoch ins Stocken geraten.

Etliche Bauern würden sich der Vermarktungsschiene gerne anschließen, sagt Koch, aber dazu müsste die Abnahmemenge an Fairer Milch gesteigert werden, etwa durch weitere Produkte wie Quark und Käse. Es sei nicht leicht, Molkereien als Partner zu finden, „weil wir die Preispolitik auf den Kopf gestellt haben“, sagt Koch.

 „Jede Tüte Faire Milch, die verkauft wird, finde ich gut“, sagt Dr. Bernd Wenck, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Aber dieser Vermarktungsweg sei nicht für alle geeignet, weil sie sich beispielsweise zur Weidehaltung verpflichten und gentechnikfreies Soja einsetzen müssten. Eine solche Garantie wollten manche Landwirte nicht übernehmen.

Quelle: HNA

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