Rasante Jagd in der Abenddämmerung auf große Schwärme von Insekten

Rasante Jagd in der Abenddämmerung: Von Falken und Käfern

Fantastischer Flieger: Ein Baumfalke schlägt im Flug einen Mauersegler. Foto: dpa

Schwalm. Gemeinhin werden bei dem Gedanken an Greifvögel größere Wirbeltiere als Beute assoziiert, etwa Kaninchen oder Tauben. Das ist nicht immer so: Mäusebussarde jagen, wie Turmfalken, die namensgebenden Kleinsäuger, der Schlangenadler lebt von Schlangen und der Wespenbussard tatsächlich von Wespen und Hummeln.

Und der Baumfalke? Sie sind knapp taubengroße, sehr schmal- und langflügelige Greifvögel. Von Bäumen ernähren sie sich nicht, alle Greifvögel sind auf tierische Nahrung angewiesen. Aufgrund ihres besonders schnittigen Körperbaus zählen Baumfalken zu den schnellsten Vögeln überhaupt.

So jagen sie nicht selten Vögel, oft Schwalben und selbst die pfeilschnellen Mauersegler. Dennoch sind sie als Langstreckenzieher nur von Mai bis September bei uns anzutreffen. Offenbar ernähren sich die Tiere also zu großen Teilen von einer Beute, die nur im Sommer erreichbar ist: Sie jagen fliegende Insekten.

Insekten sind für einen schnellen Falken einfach und ohne größeren Aufwand zu greifen, sie dürfen aber nicht zu klein sein, um den doch großen Vogel ausreichend zu ernähren. Fliegen und Mücken fallen als Nahrungsquelle daher aus. Die Beuteinsekten müssen groß, aber auch so häufig sein, dass sie für den Falken eine ausreichende Nahrungsgrundlage darstellen. Diese Bedingungen erfüllen in unserem Raum vor allem zwei Gruppen: Käfer und Libellen.

Es mag auf den ersten Blick erstaunen, denn wann sieht man schon einmal Libellen oder Käfer in größerer Anzahl? Aber sobald man die in früheren Zeiten schwärmeweise auftretenden Maikäfer denkt, ist vorstellbar, dass die Käfermassen eine Vielzahl größerer Vögel ernährt haben. Im Kleinen gibt es das noch heute, wenn die jahr- und gebietsweise stark unterschiedlich vorkommenden Junikäfer schwärmen.

Jagd am Segelflugplatz

Diese kleinere, hellere Ausgabe der Maikäfer lebt in trockeneren Wiesengebieten, wo die Engerlinge fast drei Jahre lang von Graswurzeln leben. Im Juni und Juli schlüpfen die „Gerippte Brachkäfer“ genannten Brummer. Dann fliegen sie in der Abenddämmerung in großer Zahl zu Büschen und Bäumen, von deren Blättern und Blüten sie sich ernähren. Damit naht die Zeit der Baumfalken, die sich mit teils mehr als 20 Vögeln versammeln, um Käfer zu jagen.

In den letzten Wochen war das Phänomen am Segelflugplatz Ziegenhain zu beobachten, wo zehn Baumfalken die Käferschwärme dezimierten. Schaut man den Falken länger zu, verzehren sie pro Minute mindestens eines der Krabbeltiere. In nur einer Stunde sind das 60 bis 100 Käfer, der Baumfalke müsste eigentlich „Käferfalke“ oder zumindest „Schwalbenfalke“ heißen.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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