Verhandlung sollte eingestellt werden: Angeklagter will unbedingt ein Urteil

Treysa. So etwas hatte der Richter in seiner langen Dienstzeit am Amtsgericht Schwalmstadt noch nie erlebt.

Eigentlich sollte die Verhandlung im Einvernehmen aller Beteiligten wegen geringer Schuld eingestellt werden, aber der Angeklagte weigerte sich dem Vorschlag zuzustimmen und verlangte ein Urteil.

Worum ging es? Laut Anklage soll ein im Altkreis Ziegenhain lebender Rentner im Sommer in Neukirchen einen 16-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen und verletzt haben. Die Vorwürfe seien im Prinzip korrekt, erklärte der 75-Jährige. Er habe aber nicht das vermeintliche Opfer geschlagen, sondern einen anderen Jungen. Die Verletzungen des 16-Jährigen könnten daher nicht von ihm stammen, so der Mann. Jahrelang hätten ihn Jugendliche grundlos als Kinderschänder bezeichnet.

Eine Beschwerde bei der Mutter des 16-Jährigen habe ja nichts gebracht, berichtete der Mann: „Die hat mir aber gesagt: Wenn er nicht aufhört, dann hau ihm eine in die Fresse.“ Da er Kinder nicht mit der Faust schlage, könne er es nicht gewesen sein. Dem Älteren habe er aber eine verpasst, so der Rentner: „Ich bin ein fairer Kämpfer.“ Bilder der geschwollenen Wange des Jungen wertete der Rentner als Unschuldsbeweis. Er sei schließlich „Rechtsausleger“, erklärte der Mann triumphierend: „Ich schlage immer mit der rechten Faust.“

Am Tattag habe er vor einem Supermarkt auf seinen Freund gewartet, als plötzlich der Angeklagte mit dem Fahrrad vorbeigekommen sei, erzählte der 16-Jährige. „Als wir in der Fußgängerzone waren, kam er plötzlich aus der Ecke gesprungen und hat mir eine gelangt.“

Der Angeklagte beharrte auf seine Version. Er sei unschuldig: „Eine Vorstrafe mehr oder weniger ist mir egal.“ Da der 75-Jährige die Befragung weiterer Zeugen beantragte, wurde der Prozess vertagt. Noch im Gerichtssaal erstattete die Mutter Anzeige wegen Beleidigung gegen den Mann.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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