Fall Mara P.: Siebeneinhalb Jahre wegen Totschlags für 19-Jährigen

Kassel/Melsungen. Mit siebeneinhalb Jahren Jugendgefängnis muss der Ex-Freund von Mara P. für den Stromtod der jungen Melsungerin büßen. Nach acht Verhandlungstagen wurde der 19-Jährige am Montag vom Kasseler Landgericht verurteilt.

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Und anders als die Staatsanwaltschaft, die – abweichend von der eigenen Anklageschrift – zuletzt von Mord aus Heimtücke gesprochen hatte, befand die Schwurgerichtskammer: Es war Totschlag. Nach Überzeugung des Gerichts ist der Heizlüfter, der am Pfingstsamstag 2010 den tödlichen Stromschlag verursachte, nicht versehentlich zu Mara P. ins Badewasser gefallen. „Es war nicht fahrlässig“, betonte Richter Volker Mütze.

Der Angeklagte habe das Gerät vielmehr bewusst in die Wanne geworfen und dabei den Tod der jungen Frau zumindest billigend in Kauf genommen. Weil der 19-Jährige dabei jedoch „spontan und impulsiv“ im Streit gehandelt und die Arg- und Wehrlosigkeit der Badenden nicht gezielt ausgenutzt habe, könne die Tat nicht als heimtückischer Mord eingestuft werden, erklärte Mütze. „Der Auslöser für die Tat war Wut und Verärgerung – und Mara P. war das Opfer, an dem er das auslassen konnte.“

Aktualisiert um 15.46 Uhr

Vor der tödlichen Attacke habe sich das ehemalige Liebespaar wieder einmal heftig gestritten, weil der Angeklagte trotz Trennung einfach in der Wohnung seiner Ex-Freundin in Melsungen wohnen geblieben sei. Dabei sollen auch verletzende Worte gefallen sein – von „berechtigten Beleidigungen“ durch Mara P. sprach der Richter.

Fall Mara P.: Bilder aus dem Gerichtssaal

Außer wegen Totschlags wurde der Angeklagte auch wegen Betrugs, Unterschlagung und Urkundenfälschung verurteilt: Nach dem Tod seiner Ex-Freundin hatte er versucht, seinen Lebensunterhalt durch allerhand Betrügereien zu bestreiten: Unter anderem hatte er das Konto der toten Mara P. geplündert und beim Internetauktionshaus Ebay Fernseher, Telefone und Digitalkameras angeboten, die er gar nicht besaß. (jft)

Hintergrund: Mord und Totschlag

Totschlag unterscheidet sich juristisch vom Mord durch das Fehlen sogenannter Mordmerkmale wie Grausamkeit, Heimtücke oder niedere Beweggründe (etwa Habgier oder Mordlust). Das Strafmaß liegt bei Erwachsenen zwischen fünf und 15 Jahren Gefängnis. In besonders schweren Fällen, die sehr nah an einen Mord heranreichen, kann auch lebenslänglich verhängt werden.

Im Prozess um den Stromtod von Mara P. spielte diese juristische Unterscheidung allerdings nur eine untergeordnete Rolle für das Strafmaß: Als Heranwachsender wurde der Angeklagte, der erst ein halbes Jahr vor der Tat seinen 18. Geburtstag gefeiert hatte, nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Dabei liegt die Höchststrafe einheitlich bei zehn Jahren Jugendgefängnis. (jft)

Quelle: HNA

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