Fall Mara P.: Leben des Angeklagten hatte "einige emotionale Brüche"

Kassel/Melsungen. „In seinem Lebenslauf gibt es einige emotionale Brüche.“ So hat Bettina Lange von der Jugendgerichtshilfe am Montag das Leben des 19-jährigen Angeklagten geschildert. Er soll Pfingsten 2010 seine Freundin Mara P. mit einem in die Badewanne geworfenen Heizlüfter getötet haben.

Die Eltern des 19-Jährigen trennten sich demnach als er drei Jahre alt war. Nach einer zweiten gescheiterten Beziehung heiratete die Mutter ein drittes Mal. Mit dem Stiefvater, einem Polizeibeamten, verstand sich der Angeklagte nicht, in der Familie kam es immer häufiger zu Konflikten, die derart eskalierten, dass die Mutter einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung beim Jugendamt stellte.

Ihr Sohn wurde über eine Kurzzeitpflege von einer anderen Familie betreut, als die Krisenintervention beendet war und der Junge wieder zu seiner Mutter zurückkehren sollte, weigerte die sich, ihn wieder aufzunehmen. Er lebte danach in zwei weiteren Pflegefamilien, schloss die Realschule ab und begann mit der Fachoberschule.

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Mit 18 lernte er Mara P. kennen, mit der er von da an zusammenlebte. Er brach die Oberschule ab, suchte sich Arbeit als DJ in einer Diskothek. Anfang 2010 muss es eine Krise in der Beziehung mit Mara gegeben haben, er zog aus der gemeinsame Wohnung aus, kehrte dann aber wieder zurück. Im Mai starb die 17-Jährige in der gemeinsamen Wohnung.

Sie war schwanger, wer der Vater des Kindes war, blieb bisher offen. Ein Zeugin, bei der der Angeklagte und Mara den Jahreswechsel von 2009 auf 2010 gefeiert hatten, erzählte am Montag als Zeugin von einem heftigen Streit, den sie in jener Nach zufällig mitbekommen habe. Mit der Nachricht konfrontiert, dass er der Vater sei, habe der Angeklagte damals behauptet, das angeblich Maras Bruder der Vater wäre. Der Angeklagte bestritt am Montag, dass es in jener Silvesternacht eine solche Auseinandersetzung gab.

Ein Bekannter beschrieb ihn in einer Zeugenaussage am Montag als „ruhigen Menschen“. Ein anderer Zeuge berichtete hingegen von einem Vorfall bei einem Trinkgelage auf einem Parkplatz, bei dem der 19-Jährige einem anderen eine Bierflasche über den Kopf gezogen habe.

Bilder aus dem Gerichtssaal

Fall Mara P.: Bilder aus dem Gerichtssaal

Im Bericht der Jugendgerichtshilfe hieß es, der Angeklagte sei in einem sozialen Trainingskurs als „kontrollierter Teilnehmer“ positiv aufgefallen. Die Jugendgerichtshilfe empfiehlt dem Gericht, da sie Entwicklungsverzögerungen bei dem 19-Jährigen nicht ausschließen kann, Jugendstrafrecht anzuwenden.

Am nächsten Prozesstag, dem 15. September, soll ein psychiatrischer Gutachter zu Wort kommen. (pas)

Quelle: HNA

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