Falschaussage: Gericht verurteilte 19-Jährigen – Er log für seinen Kumpel

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Treysa. Eine Reihe von jungen Männern war zu der Verhandlung geladen worden: modische Frisuren, locker sitzende Hosen und teure Turnschuhe reihten sich in den Zeugenstand. Der Streitpunkt war ein Handy, der Neuwert liegt bei 500 Euro.

Am Ende bekam ein 19-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis vom Treysaer Amtsgericht eine Woche Arrest. Der Jugendliche musste sich wegen uneidlicher Falschaussage verantworten. Er hatte in einem früheren Prozess für einen Freund gelogen, als dieser wegen Diebstahl vor Gericht gestanden hatte.

„Sie wollten die Bestrafung Ihres Freundes verhindern“, sagte der Richter zu dem Angeklagten. Der Auszubildende verweigerte die Aussage, lümmelte sich lieber auf seinen Stuhl.

Der erste Zeuge rekapitulierte, was sich im Mai vergangenen Jahres auf der Kirmes in Neukirchen ereignet hatte. Ein Freund hatte dem 16-Jährigen sein Handy gegeben, er sollte darauf aufpassen. Der Handyeigentümer wollte nämlich Kettenkarussell fahren und hatte Sorge, das Mobiltelefon zu verlieren. Der Jugendliche gab weiter an, dass dann ein Junge auf ihn zu kam, ihm das Handy aus der Hand nahm und wegrannte.

Dieser 17-Jährige saß in dem vorausgegangenen Verfahren auf der Anklagebank und wurde wegen Diebstahls verurteilt.

Beim Prozess jetzt sagte der 17-Jährige als Zeuge aus. „Was soll ich sagen, das ist so lange her“, murmelte er in Richtung des Richters. Er gab an, das Handy nicht gestohlen zu haben und unschuldig verurteilt worden zu sein. Er musste Sozialstunden leisten und bei dem Projekt „Lernen durch Erfahrung“ einen Tag im Ziegenhainer Gefängnis verbringen.

„Davor hatten Sie doch Angst, wie fanden Sie es?“, fragte der Richter. „Ist schon blöd da drin, aber nun ist es ja vorbei“, entgegnete der Jugendliche. Er habe das Urteil deshalb nicht angefochten, weil sein Vater der Ansicht war, „dass jetzt mal Schluss sein muss mit der Geschichte“.

Bei der Befragung eines weiteren jugendlichen Zeugen und eines Polizisten wurde deutlich, dass der Angeklagte den Diebstahl überhaupt nicht beobachtet hatte. Dennoch hatte er vor Gericht ausgesagt, sein Kumpel habe das Handy nicht gestohlen.

Der 19-Jährige war vor Gericht bereits wegen Körperverletzung und Hehlerei bekannt. Laut Jugendgerichtshilfe lebt der Lehrling bei seiner Mutter, einer Hausfrau. Der Vater ist arbeitslos.

Nach dem Besuch einer Lernförderschule legte er den Hauptschulabschluss ab und befindet sich nun im ersten Ausbildungsjahr. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen. Er plädierte für eine Geldauflage von 400 Euro und Arrest.

„Nun müssen Sie sich eine Woche Urlaub nehmen“, sagte der Richter bei seiner Urteilsverkündung. Nachdem er zum dritten Mal vor Gericht stehe, müsse es nun dieses Zuchtmittel sein.

Quelle: HNA

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