Stolpersteine: Künstler Gunter Demnig verlegte sie in der Kurhessenstraße Neukirchen

An Familie Spier erinnern

Gedenkveranstaltung: Am Montag verlegte Künstler Gunter Demnig mit Unterstützung von Thomas Kraske (rechts oben, von links) drei Stolpersteine in Neukirchen. Mit dabei waren junge Leute der Steinwald- und der Melanchthonschule sowie Gäste. Fotos:  Rose

Neukirchen. Neukirchen ist die 934. Kommune in Deutschland, die sich am Projekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnig beteiligt. Der Künstler hatte 1994 in Köln begonnen, Gedenksteine für jüdische Einwohner im Pflaster zu verlegen. Anfangs illegal. Seit dem Jahr 2000 ist Demnig für sein Projekt unterwegs – bis jetzt hat er Steine in 17 Ländern Europas verlegt. Auch in Neukirchen war der Künstler am Montagnachmittag zu Gast. Für Jakob, Else und Pauline Spier. Bis 1936 lebte die Kaufmannsfamilie in der Obergasse, der heutigen Kurhessenstraße. Vor ihrem früheren Haus – heute gehört es Daniel Karwacki – wird nun mit Stolpersteinen an sie erinnert.

Schüler der Steinwald- und der Melanchthonschule hatten sich zusammen mit Bürgermeister Klemens Olbrich, Stadtverordneten, Mitgliedern des Magistrats und Vertretern der Kirche getroffen, um aus dem Leben der Spiers zu erzählen und ein Friedensgebet der Franziskaner zu sprechen. „Seit 20 Jahren wird an der Synagoge den jüdischen Einwohnern Neukirchens gedacht“, erklärte Olbrich. Ortsvorsteher Peter Jöckel erzählte, dass sein Vater das Haus von der Familie Spier 1936 erworben habe. Die Familie hatte bis dahin ein Textilgeschäft betrieben. Jakob und Else Spier sowie Jakobs Schwester Pauline flohen in die USA. Dort baute Spier fünf Modehäuser auf. „Bis heute gibt es eine Verbindung zur Familie“, erklärte Jöckel. Erst kürzlich besuchte ein Enkel Pauline Spiers die Stadt. Zusammen mit Daniel Karwacki hat Jöckel die Stolpersteine finanziert. „Es ist wichtig, dass die Geschichte nicht vergessen und die Erinnerung an die nächste Generation weiter gegeben wird.“

Pfarrer Piotr Pasko machte deutlich: „Die Juden sind die Vorfahren des christlichen Glaubens.“ Auch der Stadtverordnete Willi Berg gab den Schülern mit auf den Weg: „Schaut hin, geht den Dingen selbst auf den Grund.“ Gunter Demnig verdeutlichte, dass er mit dem Projekt Menschen zurück in ihre Stadt bringen wolle. „Keiner hat freiwillig seine Heimat verlassen. Es war eine Flucht vor der Vernichtung.“ Es berühre ihn bis heute, wenn Angehörige sehr weite Reisen auf sich nähmen, nur um bei der Verlegung eines Steines dabei sein zu können. Ein Schüler habe auf die Frage eines Reporters, ob man mit dem Fuß über die Steine stolpere, einmal gesagt: „Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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